Neun Filialen hat der Biohändler Alnatura allein in diesem Jahr eröffnet. Im vorigen Jahr waren es sieben. Ähnlich schnell sind andere Supermärkte für Biolebensmittel wie Basic oder Naturata gewachsen. Und je mehr Verkaufsfläche sie ihren Kunden bieten, desto mehr kaufen diese ein. "Bei Bio gilt die Regel: Das Angebot entscheidet über den Umsatz", sagt Markus Rippin, Geschäftsführer von Agromilagro, einem Marktforschungsunternehmen, das den Biomarkt untersucht.
Seit Jahren setzt sich der Boom des Biomarktes fort. Immer mehr Verbraucher greifen heute zu ökologisch und nachhaltig produzierter Nahrung. "Die Nachfrage nach Biolebensmitteln wächst kontinuierlich", stellt Rippin fest. Das nutzt der Einzelhandel. Neben Biofilialisten haben längst auch klassische Supermarktketten Bioprodukte im Angebot, sogar Discounter erweitern ihr Biosortiment. Rewe führt bereits rund 300 Bioprodukte, Lidl knapp 100.
Intensivkäufer sorgen für Umsatz
Das breite Angebot trifft auf eine breite Käufergruppe. Vor allem junge Familien und die Generation der über 50-Jährigen wollen gesundheitsbewusst und ökologisch sauber einkaufen. Diese sogenannten Intensivkäufer, die fast alle Lebensmittel in Ökoqualität kaufen, machen zwar nur zehn Prozent der Biokunden aus - sie sorgen aber für 80 Prozent des Umsatzes von Alnatura, Basic und Co. Das belegen Umfragen des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Die restliche Kundschaft besteht aus Gelegenheitskäufern.
Die Einstellung zu Lebensmitteln in der Bevölkerung verändert sich. "Früher mussten Lebensmittel billig sein", sagt Marktforscher Rippin: "Heute achten dagegen immer mehr Käufer auf Qualität." Mit jedem Lebensmittelskandal kommen neue sogenannte Qualitätskäufer hinzu. Wenn die große Aufregung sich gelegt hat, stellt sich zwar bei den meisten Verbrauchern wieder das übliche Kaufverhalten ein. "Einige bleiben aber bei ihrer neu gewonnen Überzeugung", erläutert Rippin.
Kritisch und informiert
Käufer von Bioprodukten zahlen durchschnittlich 30 Prozent mehr als für konventionelle Lebensmittel. Die meisten akzeptieren den Aufschlag gerne, sagt Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW. Diese Erfahrung machten auch Discounter vor zwei Jahren: Sie wollten die wegen der Wirtschaftskrise schwindende Kauflust ankurbeln, indem sie die Preise für Bioprodukte senkten. Die Konzerne hofften, auf diese Weise größere Mengen abzusetzen. "Diese Rechnung geht aber nicht auf", sagt Gerber: "Günstigere Preise sorgen nicht automatisch für einen größeren Umsatz." Der BÖLW-Geschäftsführer kennt den Grund: Bioprodukte werden als Qualitätsprodukte wahrgenommen. Ein günstiger Preis sorgt eher für Skepsis.
Überhaupt sind Käufer von Biolebensmitteln kritisch. "Die meisten Käufer sind aufgeklärt und interessiert und fordern hohe Qualität für ihr Geld", sagt Gerber. Der Aufpreis will schließlich gerechtfertigt sein. "Die Kunden beschäftigen sich intensiv damit, wie die Produkte hergestellt werden", berichtet Gerber. Dieses Interesse spüren auch die Hersteller, die ihre Produkte in den vergangenen Jahren an die Ansprüche ihrer Kunden angepasst haben. "Zusätzliche Aromen etwa sind aus Limonaden und Joghurts verschwunden", stellt Gerber fest. Das sei eine direkte Reaktion auf die kritischen Nachfragen von Kunden und Medien danach gewesen, welche Produkte ökologisch, unverfälscht und natürlich sind.
Quelle: ftd.de
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