Das Selbstbewusstsein ist dahin. Was viele Mitarbeiter und Manager von Porsche nach dem gescheiterten Versuch einer Übernahme des um ein Vielfaches größeren VW-Konzerns geahnt hatten, wird nun endgültig bittere Realität. Volkswagen dreht den Spieß um - und zwar richtig. Der Autobauer verliert schrittweise seine Eigenständigkeit, obwohl VW erst 49,9 Prozent von Porsche gehören. Mit Matthias Müller installiert VW-Chef Martin Winterkorn nun auch einen seiner Getreuen als Chef in Zuffenhausen - und legt damit Porsche ganz eng an die Leine.
Noch vor Kurzem schien das undenkbar. Porsche lebte von seiner Eigenständigkeit und dem unerschütterlichen Glauben, VW übernehmen zu können. Selbstbewusst traten die Großaktionäre um Ex-Chef Wendelin Wiedeking in Wolfsburg auf - und hinterließen verbrannte Erde. Wiedeking wollte "heilige Kühe" schlachten. Doch es kam alles anders. Porsche verhob sich und musste von VW gerettet werden. Anfangs versprach Volkswagen den Stuttgartern noch einen Sonderstatus. Doch davon ist nichts zu sehen. Porsche wird nun einen VW-Tochter wie Audi und Skoda auch.
Neuer Chef kommt von VW
Nach dem Abgang von Übervater Wiedeking sollte eigentlich Michael Macht die Geschicke des Sportwagenbauers leiten. Doch die neuen Chefs in Wolfsburg hatten schon nach nur einem Jahr andere Pläne. Sie setzen mit Matthias Müller einen VW-Mann auf den Chefsessel in Zuffenhausen.
Müller gilt als Getreuer von Winterkorn. Bisher musste der Porsche-Chef sich eng mit Wolfsburg abstimmen. Nun hat Winterkorn den direkten Draht zum Sportwagenbauer - und den vollen Durchgriff auf die neue Tochter. Damit verliert Porsche ein weiteres Stück seiner Historie. Denn mit Macht geht ein Ziehsohn Wiedekings in den Vorstand von VW. Macht war zuvor jahrelang bei Porsche, erst für die Produktion zuständig, dann Chef.
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