Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee ist sich sicher: Deutsche Logistiker verkraften die satte Mauterhöhung von 13,5 auf 16,2 Cent pro Kilometer. Und weil das Geld in den Ausbau des Straßennetzes fließe, profitierten sie letztlich sogar davon, argumentiert der Minister gern.
Norbert Leven, Geschäftsführer der Solinger Spedition Schnug, platzte beinahe der Kragen, als er das zum ersten Mal hörte: "Die Mauterhöhung ist für die Branche eine einzige Katastrophe." Große Logistiker könnten die sinkenden Margen für den Straßentransport noch durch profitablere Dienstleistungen wie Lagerhaltung oder Retourenmanagement ausgleichen. Kleine Spediteure, die sich auf den Lkw-Transport beschränken, verdienten kaum noch etwas.
Schuld ist nicht allein die Maut. Wer Waren auf der Straße transportiert, wird an vielen Stellen immer stärker zur Kasse gebeten: Steigende Dieselpreise und Strafzahlungen für Schadstoffemissionen setzen den Spediteuren zu. Zudem steigen die Löhne.
Deshalb versucht die Branche, die Kosten über höhere Preise auf den Kunden abzuwälzen. Die IKB Deutsche Industriebank geht in einer aktuellen Studie davon aus, dass allein die Transportkosten für die Logistiker in diesem Jahr um acht bis zehn Prozent steigen werden. Dieses Kostenplus dürften sie so weit wie möglich an ihre Kunden weitergeben: Die IKB rechnet damit, dass Maut, Spritpreise und steigende Personalkosten die Preise für Lkw-Transporte also um bis zu sieben Prozent verteuern werden.
"Das Kostenplus können die Betriebe durch interne Verbesserungen nicht mehr wettmachen", erklärt Heiner Rogge, Chef des Deutschen Speditions- und Logistikverbands. "Wenn es so weitergeht, werden viele Speditionen aufgeben müssen", warnt der Familien-Logistiker Leven. Die Kosten werden im kommenden Jahr weiter steigen, sagt Heiko von der Gracht voraus, Logistikexperte des Supply Management Institutes der European Business School in Oestrich-Winkel.
Kostentreiber Nummer eins bleibt der Kraftstoff. "Der Anstieg der Dieselkosten ist unberechenbar", sagt von der Gracht, "Transporteure versuchen, die Kosten deshalb voll auf den Preis aufzuschlagen." Neben den Kosten für Sprit legen die Löhne der Lkw-Fahrer weiter kräftig zu. Grund ist der Mangel an gutem Personal: 30 Prozent der Fahrer kommen demnächst ins Rentenalter, zudem bringt das neue EU-Fahrpersonalrecht einen Mehrbedarf von 50.000 Fahrern mit sich.
Das Gesetz schreibt Brummi-Fahrern nämlich kürzere Lenkzeiten vor und zählt das Be- und Entladen des Lasters zur Arbeitszeit. Seit 2006 dürfen Lkw-Fahrer laut EU-Gesetz nur noch maximal 56 Stunden pro Woche ans Steuer, vorher waren 74 Stunden erlaubt. Viele Strecken sind in derselben Zeit jetzt bloß noch mit zwei Fahrern zu schaffen. Nur durch Personalaufstockung können die bisherigen Lieferzeiten noch gehalten werden.
Dazu kommt: Die Ladungen werden immer öfter zum Ziel von Diebesbanden. "Der Aufwand für Transportsicherheit wird explosionsartig zunehmen", glaubt von der Gracht. Laut einer im Jahr 2007 durchgeführten EU-Studie wird allein in Europa jährlich Fracht im Wert von acht Milliarden Euro auf dem Transportweg geklaut. Deutschland gehört zu den Hochburgen des organisierten Diebstahls, so die Untersuchung.
Die Logistiker rüsten auf: Mit Überwachungskameras, Schranken und Stacheldrahtzäunen schützen sie ihre Lagerstätten. Besonders gefährlich sind die Parkplätze entlang der Autobahnen: Muss der Lkw-Fahrer auf die Toilette, bleibt die Ladung unbewacht. Dieses Risiko lässt sich nur durch teure Zusatzversicherungen auffangen.
Um Geld zu sparen, wechseln viele Betriebe bereits heute zu Spezialisten für alternative Verkehrswege wie Binnenschiff und Bahn. Das ist ab 150 Kilometer günstiger, wirbt Heinrich Kerstgens, Geschäftsführer des auf Kombiverkehr spezialisierten Logistikers Contargo: "Es kostet bis zu 30 Prozent weniger, eine Ladung per Wasser oder Schiene zu transportieren als über die Autobahn."
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