Serie: Was darf es sein, ...?

Eine leichte Vorspeise, der Hauptgang punktgenau und eine süße Sünde zum Nachtisch: Nirgends unterhält es sich so entspannt wie im Lieblingsrestaurant. impulse trifft sich mit Unternehmern zum Lunch.


17.06.2010

Lokaltermin: Was darf es sein, Carl Geisel?

Carl Geisel
Carl Geisel
© Marek Vogel für impulse
Der Münchner Hotelier über ausbleibende Gäste, Promis als Zugpferde und das "nicht voll durchdachte" FDP-Steuergeschenk.

Noch ein paar Tage, dann geht es ab nach Schweden. Während in München die erste laue Luft nach dem Dauerwinter die Stadt erfüllt, sind es nachts in Schweden noch minus 36 Grad. Aber Carl Geisel fährt nicht zum Frieren dorthin, sondern zum Autofahren. Über gefrorene Seen will er brettern, schauen, was er und der Porsche aushalten. Entspannung nennt er das.

Wenn er Entspannung jetzt und hier braucht, dann geht er ins Restaurant Jin am Altstadtring. Setzt sich in das puristisch eingerichtete Lokal und sagt: "Mach mal!" Auch heute verzichtet er auf den Blick in die Karte und vertraut den Ideen des Küchenmeisters. Hao Jin, den Carl Geisel seinen Freund nennt, macht also. Bringt vier Gänge auf den Tisch, zunächst einen lauwarmen Salat von Jakobsmuscheln, dann Garnelen und Kabeljau und das, was die Japaner Tono nennen, den fetten Bauchlappen vom Thunfisch. Das beste Stück des Fisches setzt ganz unglaubliche Aromen frei. "Jin ist Autodidakt", sagt Geisel voller Anerkennung und freut sich, dass sich dessen Kunst mit jedem Bissen entfaltet.

Familienunternehmen in vierter Generation

Der 51-jährige Münchner weiß um die Mühen, die es kostet, einen Betrieb oben zu halten. Zusammen mit seinen 42 und 39 Jahre alten Brüdern Michael und Stephan führt er das Familienunternehmen in der vierten Generation. Zu den Geisel Privathotels gehören das Businesshotel Cosmopolitan und das Designhotel Anna; hierfür ist Michael Geisel verantwortlich. Die weiteren Häuser, das Vier-Sterne-Hotel Excelsior und – die Kirsche auf der Torte – der Königshof mit seinen fünf Sternen und dem mehrfach ausgezeichneten Restaurant, werden von Carl geführt. Um die Weinhandlung kümmert sich Stephan Geisel. Alle Entscheidungen treffen die Brüder gemeinsam. "Bisher haben wir immer einen Konsens gefunden", sagt der Erstgeborene. Konstruktives Streiten gehört bei den Geisels zum Handwerk.

Carl Geisel ist ein großer, stattlicher Mann. Sofort fällt einem das Wort Hoteldirektor ein, aber der Begriff beschreibt nur unzureichend, was er alles zu tun hat. Anders als bei einem angestellten Direktor zählt neben dem operativen Geschäft auch die Unternehmensstrategie und Finanzierung zu seinen Aufgaben. "Es bedeutet, extrem viel Verantwortung zu tragen und dabei akribisch zu arbeiten. Ich glaube, es gibt kaum ein breiter gefächertes Arbeitsfeld", sagt Geisel.

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