Serie: Was darf es sein, ...?

Eine leichte Vorspeise, der Hauptgang punktgenau und eine süße Sünde zum Nachtisch: Nirgends unterhält es sich so entspannt wie im Lieblingsrestaurant. impulse trifft sich mit Unternehmern zum Lunch.


02.05.2010

Lokaltermin: Was darf es sein, Corny Littmann?

Corny Littmann
Corny Littmann
© Eva Häberle für impulse
Der Präsident des FC St. Pauli und Kulturunternehmer über modernes Volkstheater, Shows auf hoher See und andere Abenteuer.

Auf der Reeperbahn kurz vor halb eins: Eine Zeit, zu der Corny Littmann seine Tageshochform noch nicht erreicht hat, aber an diesem Mittag ist er gut gelaunt. Giuseppe, der Kellner im Ristorante da Benito, hat zähneknirschend eingewilligt, dass er rauchen darf. Littmann setzt sein Recht auf öffentlichen Nikotinkonsum ähnlich rigoros durch wie Altkanzler Helmut Schmidt.

Corny Littmann, Theaterunternehmer, Regisseur und ehrenamtlicher Präsident des FC St. Pauli, ist ein Nachtmensch. Fast zwangsläufig, denn rund drei Monate pro Jahr steht er auch noch auf der Bühne, "zur Erholung". Vor 11 Uhr setzt er keine Termine an. "Zum Glück habe ich ja meistens das Vergnügen, dass sich andere nach meiner Zeit richten müssen." Ansonsten macht er wenig Vorgaben: "Ich bin ein großer Freund davon, dass Mitarbeiter eigenverantwortlich arbeiten." Mit leicht diabolischem Lächeln fügt er hinzu: "Die Kunst besteht darin zu wissen, wann sie mich fragen müssen."

Das Restaurant hat er ausgesucht, weil es nur ein paar Schritte von seinen Hauptunternehmen liegt, dem Schmidt Theater und dem Tivoli auf dem Spielbudenplatz. Außerdem wohnt der 57-Jährige, der mit einem Opernsänger verheiratet ist, um die Ecke, seit 22 Jahren in derselben 60-Quadratmeter-Wohnung. Für einen Mann, der "Hamburger Unternehmer des Jahres 1999" war, ungewöhnlich bescheidene Wohnverhältnisse.

In seinen Theatern laufen Komödien, Kabarett, Musicals, Schlagerrevuen. Er benutzt dafür den Begriff "heutiges Volkstheater". Das klingt überraschend bieder für jemanden, der der freien Tourneetheaterszene der 70er-Jahre entstammt. Für die Musik bei der schwulen Kabarettgruppe Brühwarm, bei der Littmann mitwirkte, sorgte zeitweilig die Anarchoband Ton Steine Scherben. Auch in die Politik hat er kurz reingeschnuppert: 1980 trat er für die Hamburger Grünen als Bundestagskandidat an. Mitte der 80er hat ihn die Partei "als Karteileiche aussortiert", aber die Sympathie ist geblieben: "Ich wähle immer grün."

Heiße Ecken statt Subventionen

Der Einschätzung, dass der Erfolg seiner Theater ein Indiz dafür sei, dass die Alternativkultur in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, kann er nur bedingt etwas abgewinnen. Im Publikum säßen auch Leute, die "sich Mitte der 70er wie wir in Wohngemeinschaften die Hucke vollgekifft haben und heute um die 60 sind". 800.000 Menschen haben seit 2003 das von ihm inszenierte Sankt-Pauli-Musical "Heiße Ecke" gesehen. Die meisten Produktionen seiner Häuser laufen im Schnitt 500-mal. "Das ist abenteuerlich viel", sagt Littmann, der öffentliche Unterstützung stets ablehnte. "Unterhaltungstheater gehört nicht subventioniert." Außerdem hat er wenig Lust, sich mit Bürokraten herumzuschlagen.

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