Serie: Deutsches Know-how in die Ferne gebracht

Von Hamburg nach Norwegen, von Dortmund nach Santiago de Chile: Deutsches Know-how ist im Ausland gefragt. Vor allem in Nischenbereichen sichert sich der Mittelstand Wettbewerbsvorteile. Auf interaktiven Weltkarten stellen wir Firmen und ihre Projekte rund um den Globus vor.


13.08.2010

Made in Germany: Kühle Luft für heiße Öfen

Von: Christian Litz
Deutsche Mittelständler liefern der Welt Öko-Shrimps, kühle Luft für heiße Öfen, Menthol für Kaugummis und Siliziumwafer

Kommt vom Fjord

Weil die Kosten für Silizium zurzeit steigen wie Raketen, haben die Bayern die Produktionsanlagen für Siliziummetall in Holla, Norwegen, von der Fesil Group gekauft. Für 65 Mio. Euro. Viel Geld, aber die Anlage kann 50?000 Tonnen jährlich herstellen, also ein Drittel des Jahresbedarfs des Chemieunternehmens decken. Die Fabrik am Fjord gibt den Bayern mehr Unabhängigkeit vom galoppierenden Weltmarkt. Diverse Kartellbehörden haben bereits Ja gesagt, der Deal von Anfang Juni gilt jetzt. Wacker braucht Siliziummetall, um polykristallines Reinstsilizium herstellen zu können. Das wird für Chips und Wafer benötigt. In Deutschland baut Wacker gerade zwei Produktionsstätten aus. Der Weltmarkt braucht das Zeug.

Hauch mich mal an

Damit alle noch mehr kauen: Bereits jetzt produziert keiner weltweit mehr synthetisches Menthol als die Holzmindener, und nun haben die noch begonnen, ihren Ableger in Bushy Park, South Carolina, zu vergrößern. Ab 2012 soll der doppelt so viel Geschmack ausspucken. Der Grund: Seit einiger Zeit steigt der Bedarf an künstlichem Menthol für Kaugummis, Süßigkeiten, Zahnpasten, Zigaretten um mehr als zehn Prozent pro Jahr. Der Geschmacksstoffhersteller, der 1,3 Mrd. Euro im vergangenen Jahr umgesetzt hat, arbeitet mit Lanxess, früher ein Teil von Bayer, zusammen. Die Chemiker haben angekündigt, deutlich mehr Vorprodukte, die Symrise zu Kaugummistandardgeschmack verarbeitet, herzustellen.

Für heiße Öfen

Es werden noch Autos gebaut in England, jedenfalls Teile dafür. Damit die Öfen der Ford-Tochter Getrag in Halewood, einem Stadtteil von Liverpool, Getriebeteile besser härten, bekommen sie jetzt Zu- und Abluftsysteme von Ventzki verpasst. Die Lüftung der Firma im schwäbischen Eislingen sorgt dafür, dass schneller und sicherer gearbeitet werden kann. Die Getriebeteile aus Metall werden von der Maschine in den Ofen geschoben und wieder herausgeholt. Bis zum Herbst soll die Tochter der Carl Stahl Gruppe die Anlage installieren. Sie beliefert Getrag schon seit Langem. Allein in dem großen Werk in der Slowakei sind 400 Geräte aus Schwaben im Einsatz. Der Auftrag von Getrag in England ist bisher der größte in diesem Jahr, Ventzki drückt mit ihm die Kurzarbeit der 21-Mann-Belegschaft auf null.

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