Der Musikmarkt in Deutschland ist im vergangenen Jahr erstmals seit 1997 nicht geschrumpft. Das teilten der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) und das Marktforschungsunternehmen Media Control am Dienstag auf Basis vorläufiger Zahlen mit. Es ist selten, dass Stagnation für Jubel sorgt. Doch für die seit Jahren von Rückgängen gebeutelte Branche deutet sich damit ein Umbruch an. Auch in den USA wächst der Markt.
Der Trendreport zeigt, dass sich der deutsche Musikmarkt stabilisiert. Vor allem die Umsätze aus digitalen Downloads legten von 2010 auf 2011 mit 28,8 Prozent deutlich zu. Dabei stiegen Album-Verkäufe (plus 27,8 Prozent) fast genauso stark an wie einzelne Download-Tracks (plus 30,3 Prozent). Bei den CDs gab es hingegen nur einen leichten Rückgang von minus 2,2 Prozent. Dabei zeigte sich der positive Trend bei deutsche Künstlern stärker als bei internationalen Produktionen.
Bei den Zahlen werden Veränderungsraten angegeben, nicht aber absolute Werte. Den Gesamtumsatz der Branche gibt der Verband erst später bekannt, da die Zahlen für das Streaming-Geschäft noch nicht vorliegen - hier wird Musik wie beim Radio über Internet abgespielt.
"Wir freuen uns sehr über die stabile Marktentwicklung", sagte Florian Drücke, Geschäftsführer des BVMI. Es zeige sich, dass die Diversifizierungsstrategie im Musikvertrieb erfolgreich ist. Laut BMVI umfasse das legale Portfolio im Netz in Deutschland mehr als 60 Musikdienste. Dennoch bilden CDs mit einem Umsatzanteil von rund drei Vierteln nach wie vor das Rückgrat der deutschen Musikindustrie.
Downloads überholen CDs in den USA
Anders ist dies in den USA. Dort wurde bereits ein nächster Meilenstein im Wandel der Branche erreicht. Die Amerikaner haben 2011 erstmals mehr Alben als Internet-Download statt auf CDs gekauft. Das geht aus den Zahlen des Marktforschers Nielsen und des Musikmagazins "Billboard" hervor, die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurden. Es war noch eine sehr knappe Angelegenheit - die heruntergeladenen Alben kamen gerade eben über den Anteil von 50 Prozent. Der größte Musikmarkt der Welt spielt damit aber international eine Vorreiter-Rolle.
Insgesamt fiel in den USA zum ersten Mal seit dem Jahr 2004 ein Absatzplus beim Verkauf von Alben an. Darüber hinaus wurden mehr Platten als im Vorjahr veröffentlicht - 2011 waren es 76.875, im Jahr davor nur 75.159. Meistverkauftes Album war mit über 5,8 Millionen Exemplaren "21" der Sängerin Adele.
Für Dieter Gorny ist es zwar noch zu früh, um von einer Trendwende auf dem deutschen Markt zu sprechen. Dennoch zeigten die Zahlen, dass "die Produkte massiv nachgefragt sind", sagte der BVMI-Vorstandsvorsitzende der Nachrichtenagentur dpa. Gorny hofft, dass es bald wieder Wachstum geben wird. Dafür müsse die Branche aber die Netzpiraterie in den Griff bekommen. Der BMVI vertritt die Interessen von rund 280 Labels und Musikunternehmen. Sie repräsentieren etwa 90 Prozent des deutschen Musikmarktes.
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