"Seitdem im August 2009 der Tiefpunkt durchschritten wurde, geht es mit der Maschinenproduktion von Monat zu Monat aufwärts", sagte gestern VDMA-Präsident Manfred Wittenstein. Erstmals seit 15 Monaten habe die Schlüsselbranche in den Monaten April und Mai mehr produziert als im Vorjahr. Der Auftragseingang entwickle sich teilweise "rasant".
Diese Prognose gibt den Optimisten unter den Konjunkturforschern Auftrieb. Noch immer geht die Sorge vor einem Double-Dip um, einem zweiten konjunkturellen Rückschlag. Als einer der Industriezweige mit den meisten Beschäftigten hat der Maschinenbau eine Schlüsselrolle als Konjunkturindikator.

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Gleichzeitig schüren die Zahlen Hoffnungen auf eine gute Quartalssaison der Branchenwerte. Den Auftakt machten bereits die Druckmaschinenhersteller. Sowohl Marktführer Heidelberger Druckmaschinen als auch der Branchendritte Koenig & Bauer (KBA) berichteten nach fast zweijähriger Durststrecke erstmals wieder geradezu euphorisch über das abgelaufene Quartal.
Bei Heideldruck legten die Auftragseingänge im ersten Quartal um 43 Prozent zu, bei KBA im ersten Halbjahr um 39 Prozent. Symptomatisch dabei: Wie der gesamte Maschinenbau profitieren auch die Druckmaschinenhersteller in erster Linie von den hohen Bestellungen aus Schwellenländern wie China oder Brasilien. Branchenweit legten die Umsätze auf dem wichtigsten ausländischen Absatzmarkt China von Januar bis April um gut elf Prozent zu, Brasilien kam im gleichen Zeitraum auf ein Plus von 45 Prozent. Dagegen liegt die EU der 15 bei den Erlösen im Vergleich zum Vorjahr noch immer im Minus.
Dass der Maschinenbau schneller als in früheren Krisen zu alter Form zurückfindet, begründet VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers mit dem weit verbreiteten abrupten Investitionsstopp zu Beginn des Abschwungs: "Wenn ein Ball mit voller Wucht aufprallt, springt er auch höher zurück." Da die Lager komplett geleert waren, hätten die Kunden schon wieder bestellen müssen, als die Auslastung noch gering war. "Statt großer Chargen wurden frühzeitig geringe Stückzahlen geordert - dafür dann aber in schneller Folge hintereinander", sagte Wiechers. Daneben komme der Branche, die drei Viertel ihrer Maschinen exportiert, der schwache Euro sehr zugute.
Analysten hatten eine noch deutlichere Erhöhung der Prognose für möglich gehalten - angesichts eines Auftragszuwachses von 61 Prozent im Mai. "Wir erwarten eine Anhebung um drei bis fünf Prozent", heißt es etwa in einem aktuellen Bericht von HSBC Trinkaus & Burkhardt.
"Die Stimmung ist aufgekratzt, aber insgesamt nicht euphorisch", verteidigte hingegen VDMA-Chefvolkswirt Wiechers die neue Vorhersage. Von alten Rekorden sei die Branche noch weit entfernt. Die Lage entspreche dem Niveau von 2006. Wegen der weltwirtschaftlichen Risiken und wieder rückläufiger Stimmungsindikatoren rechnet Wiechers damit, dass sich das Wachstumstempo im Jahresverlauf verlangsamt.
Zudem geht die Schere zwischen den einzelnen Fachzweigen noch sehr stark auseinander: Textilmaschinenhersteller kalkulieren dieses Jahr bereits mit einem Produktionsplus von 30 Prozent. Dagegen geht es etwa in der spätzyklischen Verfahrenstechnik, also bei Zulieferern für Chemieanlagen oder Wassertechnik, voraussichtlich in gleicher Größenordnung nach unten. Die Zahl der Beschäftigten im Maschinenbau sank daher seit Dezember 2009 noch einmal um 19.000 auf 902.000.
Quelle: ftd
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