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25.08.2010

Maschinenbauer: Trumpf hinterfragt Sparprogramm

Von: Claus Gorgs, Hamburg
Trumpf-Chefin Nicola-Leibinger-Kammüller
Zoom Trumpf-Chefin Nicola-Leibinger-Kammüller
Deutschlands größter Werkzeugmaschinenbauer könnte die laufenden Sparmaßnahmen früher als geplant zurückfahren.

"Wir haben einen Stufenplan festgelegt, an dem wir regelmäßig überprüfen, wie die Lage ist", sagte die geschäftsführende Gesellschafterin Nicola Leibinger-Kammüller dem Magazin impulse. "Sollte sich die Situation günstiger entwickeln als erwartet, werden wir die Sparmaßnahmen teilweise zurücknehmen oder ganz aussetzen."

Trumpf hatte im Zuge der vergangenen zwei Jahre einen Umsatzeinbruch von rund 40 Prozent erlitten und im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als 60 Mio. Euro Verlust gemacht. Seit Juli arbeitet die Mehrzahl der 4500 Beschäftigten in Deutschland pro Woche anderthalb Stunden weniger - mit entsprechenden Gehaltseinbußen. Dadurch sollen die Lohnkosten um rund 20 Mio. Euro sinken.

Im laufenden Jahr soll das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 1,3 Mrd. Euro wieder profitabel sein. "Wir rechnen mit zweistelligem Wachstum und guten Gewinnen", sagte Leibinger-Kammüller. Besonders in China, Korea, Singapur und Japan habe das Geschäft zuletzt stark angezogen.

Der Optimismus der Trumpf-Chefin belegt die fortschreitende Erholung im Werkzeugmaschinenbau: Ende Juli hatte der Konkurrent Gildemeister die Prognose für 2010 angehoben. Nach Angaben des Branchenverbands VDW liegt der Auftragseingang aktuell mehr als 70 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Für eine Entwarnung sei es trotz der ermutigenden Zahlen aber zu früh, sagte Leibinger-Kammüller. Die größte Gefahr sieht sie ausgerechnet beim wichtigsten Wachstumstreiber: dem asiatischen Markt. Niemand wisse, ob die Wirtschaft dort mittelfristig ihre Wachstumsraten halten könne.

Mit Sorge betrachtet die Unternehmerin zudem die wachsende Konkurrenz durch chinesische Hersteller. "Die Chinesen produzieren längst nicht mehr nur das Spielzeug, das wir wegwerfen, weil irgendwelche Schadstoffe drin sind. Die sind längst viel weiter." Zwar hätten deutsche Firmen nach wie vor in der Spitzentechnologie und im mittleren Segment einen großen Vorsprung, "aber die Gefahr ist groß, dass Firmen, die bislang Einstiegsprodukte anbieten, auch in das mittlere Segment vorstoßen." Hier müssten die deutschen Maschinenbauer gezielt gegensteuern.

Kritisch äußerte sich Leibinger-Kammüller über den ökonomischen Sachverstand in der deutschen Politik. "Es wäre uns ja schon gedient, wenn es mehr Bundestagsabgeordnete gäbe, die etwas von Wirtschaft verstehen. Wir brauchen da mehr Leute, die verstehen, dass man zunächst etwas erwirtschaften muss, bevor man es ausgeben kann." Aus Sicht des Mittelstands sei eine Steuervereinfachung das vordringlichste Ziel. "Wir rechnen nicht mit Steuererleichterungen, aber das System muss einfacher und transparenter werden."

Quelle: ftd
© 2010 impulse.de

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