Die Düsseldorfer Holding, die bislang über dem Tagesgeschäft schwebt, soll zum operativen Zentrum ausgebaut werden. Die Pläne sind intern höchst brisant. Obwohl die Zentrale seit zehn Jahren in der NRW-Hauptstadt angesiedelt ist, bilden die Standorte München und Essen ein starkes Gegengewicht. So erlöst Eon Energie rund 40 Milliarden Euro jährlich - das ist gut die Hälfte des gesamten Umsatzes des DAX-Konzerns. Daraus erwachsendes Kompetenzgerangel wird nun zugunsten Düsseldorfs beseitigt.
Teyssen hat die Pläne Ende voriger Woche einem Führungszirkel des Konzerns vorgestellt. Wie ein Eon-Sprecher bestätigte, sieht das "Steering and Leadership" getaufte Programm vor, die bislang sieben Konzernsparten durch fünf global gesteuerte Kerneinheiten zu ersetzen: Kraftwerke, Gasbeschaffung (Ruhrgas), Handel, Erneuerbare und Energieforschung. Daneben soll das Endkundengeschäft in mehr als einem Dutzend Landesgesellschaften aufgehen. "Es handelt sich um ein Diskussionspapier, die Details müssen in den nächsten Wochen noch ausgearbeitet werden", sagte der Sprecher. Das komplette Strategiepaket werde der Vorstand wie geplant im Herbst präsentieren. Informationen der Financial Times Deutschland zufolge ist die Vorstellung für die zweite Septemberhälfte geplant.
Beobachter hatten Teyssen einen solchen Schritt nicht zugetraut. Schließlich hat er als Vorstandsvize und Chief Operating Officer die jetzigen Strukturen mitgeprägt. Bereits im Mai, kurz nach der Übernahme des Chefsessels, hatte Teyssen mit einem überraschenden Umbau des Spitzenmanagements für Aufsehen gesorgt. Zwei Vorstände mussten gehen, drei neue wurden berufen. Unter anderem rückte mit Personalchefin Regine Stachelhaus erstmals eine Frau in den Vorstand eines deutschen Energieunternehmens auf. Bei der Präsentation in der letzten Woche kündigte Teyssen auch eine Ausweitung des inneren Führungskreises von 200 auf 400 Manager an. Über diesen Zirkel will der Vorstand künftig stärker auf das operative Geschäft Einfluss nehmen.
Das kundennahe Geschäft wird künftig regional nach Ländern beziehungsweise Ländergruppen geordnet. Teyssen übernimmt diesen Bereich vorerst zusätzlich zum Vorstandsvorsitz. Fest steht, dass Deutschland, Schweden und Großbritannien eigene Regionaleinheiten bilden. Weitere Gruppen sollen Süd- und Osteuropa sein. Das Geschäft von Eon Energie wird damit aufgeteilt: Bis jetzt steuert der Standort München die Stromaktivitäten von Spanien bis an die Schwarzmeerküste. Künftig müssen sich die Bayern mit dem deutschen Markt begnügen. Dafür werden Eon Energie im Gegenzug die kundennahen Teile des Gasgeschäfts zugeschlagen - auf Kosten von Ruhrgas.
Mit dem Generalumbau hofft Teyssen, auf Sicht die Probleme des Konzerns in den Griff zu bekommen. Nach einer Serie von Zukäufen unter anderem in Spanien, Italien und Schweden drückt Eon eine Schuldenlast von 44 Milliarden Euro - die allerdings durch die Veräußerung von Eon US und anderen Töchtern deutlich sinken wird. Daneben macht Eon auch der durch die Wirtschaftskrise sinkende Energieabsatz zu schaffen.
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