14.08.2009

Mehr Besucher: Freizeitparks boomen in der Krise

Von: Vanessa Wormer (Hamburg)
Mitten in der Rezession stehen Deutschlands Freizeitparks so gut da wie lange nicht
Mitten in der Rezession stehen Deutschlands Freizeitparks so gut da wie lange nicht
© Fotolia
Während die Tourismusbranche die Wirtschaftsflaute zu spüren bekommt, melden die Spaßfabriken überdurchschnittliche Gästezahlen. Die Parks haben sich als Kurzreiseziele etabliert - und das zahlt sich jetzt aus.

Roland Mack ist Optimist. Als er 1975 zusammen mit seinem Vater Franz Mack im badischen Rust einen Freizeitpark eröffnen wollte, warnte ein Hobbyangler die beiden Unternehmer: "In Rust hat's zu viele Schnaken, da laufen euch die Leute weg." Die Macks ließen sich davon nicht beirren.

Obwohl die nächste Hürde schon wartete: Große Banken wollten das Projekt nicht finanzieren. Doch die beiden Männer waren von ihrem Konzept überzeugt - und haben es mit der Unterstützung örtlicher Geldinstitute und ihrem Eigenkapital geschafft. Trotz Schnaken ist der Europa-Park in Rust heute der größte Freizeittempel Deutschlands und seit Jahren auf Expansionskurs.

Die teuerste Erweiterung in der Geschichte des Freizeitareals liegt gerade hinter Roland Mack, der zusammen mit seinem Bruder Jürgen die Firma leitet. 35 Millionen Euro investierten die zwei Unternehmer nach eigenen Angaben 2008 in den Park, allein die neue Achterbahn "Blue Fire" kostete demnach 20 Millionen Euro. Während sie gebaut wurde, kam die Weltwirtschaftsflaute. Doch Mack packte gerade jetzt der alte Optimismus: "Ich bin davon überzeugt, dass sich die Krise positiv auf unseren Park auswirken wird", sagte er vor Beginn der Saison im April.

Parks melden steigende Besucherzahlen

Seine Prognose hat sich bewahrheitet: Mitten in der Rezession stehen Deutschlands Freizeitparks so gut da wie lange nicht. Sie ziehen Besucher in Scharen an. Macks "Blue Fire" katapultiert alle zwei Minuten schreiende Menschen in den 40 Meter hohen Looping. Leere Plätze sieht man kaum. 2008 kamen nach Worten Macks über vier Millionen Besucher in den Europa-Park, im Krisenjahr werden es seiner Schätzung zufolge noch mehr sein. Zum Vergleich: Mallorca lockt jährlich rund 3,5 Millionen deutsche Urlauber an.

Auch der Heide-Park in Soltau verzeichnet für diese Saison ein starkes Wachstum, der Movie-Park in Bottrop-Kirchhellen meldet 23 Prozent mehr zahlende Besucher als im Vorjahr. Das Phantasialand in Brühl will noch keine Prognose für die aktuelle Saison wagen. Die Besucherzahlen seien überaus zufriedenstellend, sagt ein Sprecher lediglich. Der Holiday-Park in Hassloch zählte nach eigenen Angaben bis jetzt fünf Prozent mehr Gäste. Der Reiseveranstalter Neckermann bestätigt die positive Entwicklung bei den Buchungen für die Freizeittempel.

In Krisenzeiten profitieren kurzgelegene Ziele

Mack hat eine einfache Erklärung für die guten Zahlen: "In schwierigen Zeiten profitieren attraktive Ziele innerhalb Deutschlands. Viele Gäste ziehen es im Moment vor, näher gelegene Destinationen anzusteuern, anstatt längere Urlaubsreisen zu unternehmen."

Ulrich Reinhardt, Geschäftsführer der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, berichtet: "Die Krise verstärkt den bestehenden Trend zum Urlaub im Freizeitpark. Für viele Familien, aber auch andere Besuchergruppen ist das eine erschwingliche Alternative zum Auslandsaufenthalt." Laut einer aktuellen Analyse der Stiftung besuchten 62 von 100 befragten Familien in den letzten zwölf Monaten einen Freizeitpark, wie Reinhardt sagt. Wobei er ausdrücklich darauf verweist, dass die Betreiber diese Saison viel Glück mit dem Wetter gehabt hätten, was eine große Rolle für die Besucherzahlen spiele.

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