Im Jahr 1981 war ich zum ersten Mal in Haiti. Ich wollte dort über Weihnachten einen Kurzurlaub machen, dachte, es sei ein herrliches Land - und traf auf erschütternde Armut. Überall wurde man angebettelt. Ich ging mit in ein Waisenhaus, das war ein Schockerlebnis. Ich verschenkte mein Geld und meine Travellerschecks und flog zurück. Mir war klar: Ich musste etwas tun, mich engagieren. Da kam mir die Idee, den Menschen Nähmaschinen zu kaufen, die mit dem Fuß betrieben werden, Strom gab es ja nicht immer. Ich wollte ihnen eine Angel geben, keinen Fisch.
Als Unternehmer erdachte ich sofort Problemlösungen, ohne vorher mit und von den Menschen zu lernen. Das war mein erster Fehler. Vor allem im ersten Teil meines aktiven Unternehmerlebens, als ich noch nicht Sozialunternehmer war, sondern in vierter Generation unser Familienunternehmen führte, glaubte ich ganz dezidiert daran, jeweils die richtige Lösung zu wissen - ohne die Betroffenen gehört zu haben. Das führte schon damals zu Geldverschwendung und Misserfolgen.
In Haiti - ich flog später 44-mal hin, es wurde regelrecht zu einer Passion - merkte ich, dass das nicht funktioniert. Die Menschen denken ganz anders, sie lernen konkret, nicht abstrakt. Wenn eines ihrer Kinder krank wurde und sie Geld brauchten, verkauften die haitianischen Familien ihre Nähmaschinen. Ich musste selbst einen Gang zurückschalten, man kann es auch Demut nennen. Im Dorf setzte ich mich zu den Menschen und erfuhr, wie sie denken und fühlen. Es war ein Lernprozess: Man kann unsere Denkstruktur dieser Welt nicht überstülpen. Und die Nähmaschinen? Ich schenkte sie Menschen, deren Aufgabe es war, andere im Umgang damit zu schulen. Das funktionierte.
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Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 01/2012. |
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