11.03.2010

Merckle-Nachfolge: Im Namen des Vaters

Von: Heimo Fischer Stuttgart und Lukas Heiny (Hamburg)
Adolf Merckle machte seine Familie zum größten Waldbesitzers Deutschlands
Zoom Adolf Merckle machte seine Familie zum größten Waldbesitzers Deutschlands
© ddp
In diesen Tagen muss Ludwig Merckle Ratiopharm verkaufen, den Stolz der Familie. Dadurch schafft der Sohn des Firmengründers Adolf, was ihm niemand zugetraut hat: Er rettet einen großen Teil des Vermögens - und die Ehre des Clans.

Ludwig Merckle hat sich nicht angehört, was die Investoren mit "der Ratiopharm" so alles vorhaben. Er war nicht da, als sich in diesen Tagen nacheinander all die Konzernchefs im Ulmer Industriegebiet Donautal vorfahren ließen, wo der Medikamentenhersteller seinen Sitz hat. Bis Ende des Monats soll das Unternehmen verkauft werden, so verlangen es die Banken, "leider", sagt Merckle.

Für die Familie ist Ratiopharm unter all den Beteiligungen, die Ludwigs Vater Adolf zu einem riesigen Konglomerat aufgebaut hat, immer etwas Besonderes gewesen, ihr Stolz. Jahrelang haben Vater und Mutter das Unternehmen geführt, später die Söhne, auch Ludwig stand acht Jahre lang an der Spitze des Generikaherstellers. Ratiopharm hat die Merckles zu einer der reichsten und mächtigsten Unternehmerfamilien des Landes werden lassen, nun müssen sie sich davon trennen. Die Konzernchefs der drei verbliebenen Bieter Teva, Pfizer und Actavis haben in Ulm noch einmal ihre Konzepte vorgestellt. Alle drei bieten bisher rund 3 Milliarden Euro.

Geld und Ehre

Für Ludwig Merckle wäre der Verkauf, trotz allem, ein Erfolg. Er hätte dann geschafft, wofür er seit eineinhalb Jahren kämpft. Er, der Alleinerbe der Dynastie, könnte große Teile des Vermögens retten - und damit den Ruf der Familie. Denn längst geht es nicht mehr nur um Geld, sondern auch um die Ehre.

Lange sah es so aus, als müsste er das hoch verschuldete Unternehmensgeflecht um die Hauptbeteiligungen Ratiopharm, Heidelberg Cement und Phoenix größtenteils abwickeln. Ende 2008 drohte das Reich in sich zusammenzubrechen. Anfang 2009 übernahmen die Banken die Macht. Adolf Merckle, der Patriarch, warf sich vor einen Zug. Die Familie schien am Ende.

Ein Lebenswerk retten

Inzwischen deutet jedoch vieles auf eine gewinnbringende Restrukturierung hin. "Klar ist, dass es die alte Merckle-Gruppe in dieser Form nicht mehr geben wird", sagte Merckle kürzlich in einem Interview. "Mein Ziel ist es, möglichst viel von dem zu erhalten, was mein Vater aufgebaut hat."

Ludwig Merckle gilt als öffentlichkeitsscheu und bescheiden, er fährt einen Wagen aus der Firmenflotte, tritt auch bei Veranstaltungen leise und zurückhaltend auf. Dass nun der 44-jährige Wirtschaftsinformatiker die Familie repräsentiert, war lange nicht klar. Bewusst hatte der Vater die Kronprinzenrolle nicht vergeben, obwohl Ludwig und sein Bruder Philipp Daniel sich die Nachfolge vorstellen konnten. "Adolf Merckle hat es laufen lassen", sagt ein Freund der Familie. Zuletzt verfolgte der Patriarch Pläne, Familie und Management sogar komplett zu trennen. Erst kurz vor seinem Tod erteilte er seinem ältesten Sohn eine Generalvollmacht - und den Auftrag, sein Lebenswerk zu retten.

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