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30.01.2012

Millionenschwere Übernahme: Chinesen kaufen deutschen Pumpenbauer

Von: Heimo Fischer
Sany stellt unter anderem Betonpumpen her
Zoom Sany stellt unter anderem Betonpumpen her
© Heidelcement
Die Sany-Konzern des chinesischen Milliardärs Liang Wengen kauft den deutschen Technologieführer Putzmeister. Der Preis für die Übernahme soll bei 500 Mio. Euro liegen.

Zum ersten Mal in der deutschen Unternehmensgeschichte hat ein chinesischer Konzern einen bedeutenden Technologieführer geschluckt. Am Freitag übernahm der Baumaschinenhersteller Sany den Betonpumpenanbieter Putzmeister aus dem schwäbischen Aichtal. Über den Preis machten beide Seiten keine Angaben. Wie aus Finanzkreisen verlautete soll er bei etwa 500 Mio. Euro liegen. Das entspricht in etwa dem Jahresumsatz von Putzmeister.

Chinesische Firmen suchen mit Hochdruck nach Übernahmezielen in Europa, um sich Technik und Marktchancen zu sichern. Vergangenes Jahr kaufte der chinesische Computerhersteller Lenovo den Aldi-Lieferanten Medion für mehr als 600 Mio. Euro. Auf der Lauer liegen auch chinesische Autobauer - etwa beim schwäbischen Getriebehersteller Getrag. Der SAIC-Konzern aus Schanghai interessierte sich vor zwei Jahren für den Kühlerspezialisten Behr. Das Unternehmen ging damals allerdings an den in Stuttgart sitzenden Mahle-Konzern.

Übernehmen Chinesen die Macht in deutschen Betrieben, wird daraus leicht ein Politikum. Im Fall Putzmeister ruft die IG Metall für Montag zu einer Protestkundgebung auf. Die Gewerkschafter fürchten den Abbau von Jobs. Das Management hatte zuvor erklärt, Putzmeister werde als unabhängige Marke bestehen bleiben. Sany will Aichtal außerdem zum Hauptsitz für Betonausrüstungen außerhalb Chinas machen. Putzmeisters Co-Chef Norbert Scheuch soll in den Sany-Vorstand einziehen.

Chinas Lieblinge

Zulieferer Besonders beliebt bei chinesischen Investoren sind deutsche Autozulieferer: 2011 kaufte der Finanzinvestor Joyson aus Schanghai den Steuerungselementespezialisten Preh; der insolvente Lieferant von Autodichtungen Saargummi ging an den Industriekonzern Chongqing Light and Textile.

Computer Mit dem Kauf des deutschen Computerhändlers Medion für 600 Mio. Euro erwarb der chinesische PC-Hersteller Lenovo einen 14-Prozent-Anteil am deutschen Markt - und stärkte damit sein Europa-Geschäft.

Leichtbau Den Hildesheimer Leichtmetall-Zulieferer KSM Castings kaufte der Alufelgenhersteller Citic Dicastal Wheel vor einem Jahr für 300 Mio. Euro.

Kernprodukte der Schwaben sind auf Schwerlaster montierte Pumpen, die aussehen wie überdimensionierte Insektenfühler. Sie können über ein auf bis zu 70 Meter ausfaltbares Rohr auch entlegenste Winkel am Bau mit Beton füllen. Der Preis kann bei bis zu 2 Mio. Euro liegen. Unternehmensgründer Karl Schlecht hatte die Maschinen in den 60er-Jahren konzipiert und weiterentwickelt. Die Firma gehört heute zwei Stiftungen.

Die Pumpen von Putzmeister waren unter anderem am Katastrophenkraftwerk von Fukushima im Einsatz, um Wasser auf die heißen Reaktoren zu werfen oder von oben hineinzuschauen. Die Pumpen aus Aichtal gelten als die besten in der Baubranche. Doch auch die chinesische Konkurrenz holt in Sachen Qualität auf. In Fukushima waren daher auch Pumpen von Sany im Einsatz.

Putzmeister hat eine lange Durststrecke hinter sich. Im Jahr 2007 machte das Unternehmen noch mehr als 1 Mrd. Euro Umsatz. Als die Immobilienblasen in Amerika und Südeuropa platzten und die Bautätigkeit erlahmte, brach der Umsatz um die Hälfte ein. Es gab Entlassungen. Heute arbeiten 3900 Beschäftigte bei Putzmeister. Führungskräfte des Unternehmens deuteten in den vergangenen Monaten an, dass die Kosten wegen zu geringer Produktionsmengen aus dem Ruder laufen könnten. Deshalb sollte die Fertigung gestrafft werden. Zuletzt machte sich Angst vor einer neuen Krise breit. Firmengründer Karl Schlecht floh wohl auch deshalb unter die Fittiche eines großen Partners. "Der Zusammenschluss ist ein Vorzeigebeispiel einer globalen Transaktion", sagte er.

Sany gehört zu den wenigen chinesischen Konzernen, die im Mehrheitsbesitz eines Gründers sind. Liang Wengen gilt als einer der reichsten Männer des Landes. Sein Vermögen soll bei 11 Mrd. Dollar liegen. Dennoch kaufte er Putzmeister nicht allein. Das chinesischen Private-Equity-Unternehmen Citic wird Minderheitseigner. Sany beschäftigt 70.000 Mitarbeiter und bietet die gesamte Bandbreite von Baumaschinen an. Der Konzern genieße einen guten Ruf, sagte der Chef eines großen deutschen Autozulieferers zur impulse-Schwesterzeitung Financial Times Deutschland (FTD). "Das Unternehmen sollte man künftig im Auge behalten."

Quelle: ftd.de
© 2012 impulse.de

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