Der Zulieferer Alfmeier Präzision musste 2009 heftige Umsatzeinbrüche hinnehmen. Das Familienunternehmen aus dem bayrischen Treuchtlingen baut Spritzgussteile für Automotoren. Die Firma hat sechs ausländische Standorte - und musste dort krisenbedingt die Produktion deutlich herunterfahren. Nur in Deutschland wurde kein Mitarbeiter entlassen. "Wir versuchen, den heimischen Standort zu stärken, indem wir Abteilungen aus Tschechien zurück nach Deutschland verlagern", sagt Vorstand und Miteigentümer Markus Gebhardt.
Viele deutsche Mittelständler reagieren auf die aktuelle Krise ähnlich wie Alfmeier, ergab eine Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Demnach holen immer mehr deutsche Firmen ihre Produktion zurück in die Heimat oder verlagern sie gar nicht erst.
Höhere Flexibilität an Standorten im Ausland
Die Forscher ermittelten in den vergangenen drei Jahren die geringste Abwanderungsquote seit Mitte der neunziger Jahre. Die Kostenflucht in Niedriglohn-Länder, wie es sie in vergangenen Krisen gegeben hat, ist dieses Mal weitgehend ausgeblieben. Mittelständler aus dem verarbeitenden Gewerbe setzen offenbar verstärkt auf "Made in Germany".
Vor der Krise ist Alfmeier seinen Großkunden nach Osteuropa, China und in die USA gefolgt, um Autoteile vor Ort anzufertigen. "Es geht uns primär um die Erschließung neuer Märkte", sagt Gebhardt. Auch die Kosten spielen eine Rolle: "Wir können kostengünstig in Tschechien, China und Mexiko produzieren."
Verlagerung sollte Produktionskosten drücken
Doch das hat nicht gereicht, um die massiven Absatzeinbrüche des letzten Jahres abzufedern. Nach eigenen Angaben schrumpfte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um rund 30 Prozent auf 87,5 Millionen Euro. Statt noch mehr ins Ausland zu verlagern, produziert der Konzern nun wieder mehr am deutschen Standort.
Im vergangenen Abschwung von 2003 bis 2004 haben kleine und mittelständische Hersteller versucht, mit Verlagerungen ihre Produktionskosten zu drücken. "Damals hatten wir eine schleichende Krise, deutsche Firmen standen finanziell immer mehr unter Druck", erklärt Klaus-Heiner Röhl, Mittelstandsexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Einige hätten sich dabei in Niedriglohn-Länder geflüchtet, um an den Personalkosten zu sparen.
"Dieses Mal sind wir ganz plötzlich aus dem Boom in die Krise gestürzt", sagt Röhl. Absatzeinbrüche hätten viele Firmen dazu gezwungen, ihre Produktionen kurzfristig zurückzufahren. "Standorte im Ausland bieten dafür in der Regel mehr Flexibilität ", sagt Röhl. "Firmen können so ihre Kernproduktion besser auslasten."
Warum die Attraktivität Osteuropas abnimmt
Bis Mitte 2008 erlebten deutsche Autozulieferer einen Boom. Große Hersteller wie Audi, BMW, Mercedes oder VW hatten massiv in Osteuropa investiert, um dort neue Märkte zu erschließen. Mittelständische Zulieferer wie Alfmeier sind der Expansion in großem Stil gefolgt, nicht zuletzt weil die Personalkosten in Tschechien, Polen oder Rumänien deutlich niedriger waren als in Deutschland. Doch seit dem EU-Beitritt schließt sich die Schere zwischen den Löhnen in Ost- und Westeuropa. "Seither sind nicht die Automobilwerke, wohl aber die Zulieferer wieder zurückgekommen", sagt VDI-Direktor Willi Fuchs.
Während die Attraktivität Tschechiens oder Polens abnimmt, gewinnt der Standort Deutschland an Bedeutung. "Durch starke Inflation und Lohnsteigerungen verlieren benachbarte EU-Länder immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit", sagt IW-Experte Röhl. Seit Einführung des Euros könnten EU-Länder ihre Währungen nicht mehr gegen die Währungen ihrer Hauptmärkte abwerten. Steigende Inflation und Lohnkosten seien die Folgen.
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