04.06.2010

Mobiles Internet: Ende der Flatrate-Party

Von: Arndt Ohler
Mobiles Surfen zum Festpreis könnte bald der Vergangenheit angehören
Mobiles Surfen zum Festpreis könnte bald der Vergangenheit angehören
© Getty Images
Es sind nicht nur Millionen von Smartphones, die Daten über die Mobilfunknetze saugen. Jetzt kommen Rechner wie das iPad hinzu - und die sind noch durstiger. AT&T reagiert und stoppt das grenzenlose Surfen. Das Ende der Flatrates naht.

Abbrüche bei Gesprächen, besetzte Leitungen, schlechter Empfang. In einigen US-Großstädten sind Smartphones wie Blackberrys oder iPhone im Netz des US-Mobilfunkers AT&T zeitweise kaum zu gebrauchen. Oft funken Hunderte der Datenfresser in der gleichen Mobilfunkzelle und überlasten Sende- und Empfangsstationen.

Der Kollaps droht nicht nur in den USA. Auch in Europa arbeiten Mobilfunkunternehmen an Strategien, um die Flut zu kontrollieren. "Denn der Datenverkehr wird weiter explodieren", sagte Rajeev Suri, Chef des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks (NSN), kürzlich.

Zwei Gigabyte ...

... reichen

... reichen nicht

Mit den bei AT&T für monatlich 25 Dollar erhältlichen zwei Gigabyte kommen 98 Prozent aller Kunden des Mobilfunkers aus. Der mit 65 Prozent größte Anteil der AT&T-Nutzer benötigt nach Konzernangaben weniger als 200 Megabyte je Monat. Zwei Gigabyte reichen, um 10 000 E-Mails ohne Anhang zu versenden, 500 Fotos auf Websites von Anbietern wie Facebook hochzuladen und 200 Minuten Videofilme über das Mobilfunknetz zu übertragen.

Wer ein höheres Datenvolumen benötigt, zahlt im 2-GB-Tarif für jedes weitere Gigabyte 10 Dollar. Für 15 Dollar können Kunden ein Datenpaket mit einer Grenze von 200 Megabyte kaufen.

Tarife, die eine bestimmte Menge an Datenverkehr zulassen oder eine spezielle Übertragungsgeschwindigkeit garantieren, könnten das Problem lösen. AT&T hat daher die Kehrtwende gewagt und als einer der ersten Konzerne am Mittwoch begrenzte Tarife eingeführt. Für 25 Dollar können Kunden monatlich zwei Gigabyte Daten verbrauchen. Danach müssen sie zuzahlen. Für 15 Dollar gibt es 200 Megabyte.

Handy- und Computernutzer, die unterwegs stets Empfang, volle Geschwindigkeit sowie ein unbegrenztes Datenvolumen haben möchten, werden künftig wohl mehr zahlen müssen. Wer jedoch nur gelegentlich per Handy im Internet surft, zahlt womöglich weniger. Laut AT&T verbrauchen 65 Prozent der AT&T-Kunden monatlich weniger als 200 Megabyte. Zwei Prozent nutzen mehr als zwei Gigabyte.

Auch Kleinrechner wie Apples iPad werden die Netze belasten. Mit dem größerem Bildschirm eignen sie sich besser zum Websurfen und Filmeschauen. Der Download eines Youtube-Videos erzeugt dabei laut NSN den gleichen Datenverkehr wie 500.000 SMS.

"Der Preis muss mit dem Datenvolumen in Zusammenhang stehen, sonst wird es nicht funktionieren", sagte Kenneth Karlberg, Manager beim Telekomunternehmen TeliaSonera, vor einigen Wochen. Der Chef des größten US-Mobilfunkkonzerns Verizon Wireless, Lowell McAdam, erwartet ebenfalls, dass Anbieter künftig Datenpakete verkaufen werden.

TeliaSonera hat in einigen Städten den schnellen Mobilfunkstandard der vierten Generation, LTE, eingeführt. Im Vergleich zum aktuellen Standard UMTS müssen TeliaSonera-Kunden für LTE monatlich umgerechnet 31 Euro mehr zahlen.

Experten erwarten, dass weitere Mobilfunkunternehmen den Sprung auf die nächste Technologie für den Start neuer Tarife nutzen werden. Standards wie LTE oder Wimax seien zwar effizienter, aber auch deren Kapazitäten seien endlich, argumentieren Analysten des Marktforschungsunternehmens CCS Insight. "Wir erwarten, dass Anbieter von LTE abgestufte Tarife auf Basis des Verbrauchs sowie auf Basis der Servicequalität anbieten werden", schrieb CCS-Analyst John Jackson in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht.

Quality of Service ist auch ein häufig erwähntes Schlagwort von Telekom-Chef René Obermann. Der Dax-Konzern ist in Deutschland exklusiver Anbieter des iPhone. Ende 2009 hatte die Telekom in Deutschland 1,5 Millionen Apple-Handys verkauft. Entsprechend ist die Netzlast deutlich gestiegen. Bislang behilft sich der Konzern mit einer Datenbremse bei einigen iPhone-Tarifen. Ab einer bestimmten Grenze fließen die Daten deutlich langsamer durchs Netz. Eine harte Grenze wie bei den neuen Tarifen von AT&T gibt es nicht.

Datenintensive Dienste wie Videodownloads, das Streamen von Musik sowie Onlinespiele bedrohen auch Pauschaltarife im Festnetzinternetgeschäft. Der US-Konzern Cisco prognostiziert, dass sich der weltweite Datenverkehr bis 2014 gegenüber 2009 vervierfachen wird.

Unklar ist, ob dabei künftig Kunden zahlen müssen. So fordern große Internetanbieter wie Telefónica aus Spanien oder die Deutsche Telekom, dass Konzerne, die enorme Datenmengen erzeugen, wie der Webkonzern Google, künftig mehr für die Nutzung der Internetinfrastruktur zahlen sollen.

© 2010 ftd

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