Als einer der ersten großen Mobilfunker plant der Konzern, einen Teil seiner ersteigerten Frequenzen einzusetzen, um einzelne große Unternehmen oder Standorte von Kliniken mit dem schnellen Mobilfunkstandard der vierten Generation (4G), LTE, zu versorgen. "Es macht heute schon Sinn, auf einem großen Campus oder Werksgelände LTE zu nutzen", sagte Jan Geldmacher, Geschäftsführer der Firmenkundensparte, der Financial Times Deutschland.
In einem ersten Schritt sollen dann darüber Daten übertragen werden: "Das ist möglicherweise auch ein Ersatz für Wifi-Netze oder Bündelfunk." Zum Bündelfunk gehört etwa der Digitalfunk Tetra.
Für Vodafone sind neue Geschäftsinitiativen wichtig: Nach wie vor spielt der Ableger des britischen Mobilfunkkonzerns die Rolle des Angreifers bei den deutschen Geschäftskunden. Marktführer ist die Deutsche Telekom. Auf den hinteren Plätzen drängeln Telefónica und KPN mit ihren Töchtern O2 und E-Plus. Der Wettbewerb ist hart, da das Firmenkundengeschäft als lukrativ gilt.
Neben technischen Vorteilen bietet der Einsatz der Funkfrequenzen Vodafone einen weiteren Pluspunkt. "Man kann unabhängiger von den Monopolstrukturen werden, die es im Festnetz immer noch gibt", sagte Geldmacher mit Blick auf die Telekom. Das Unternehmen muss zum Teil Leitungen vom DAX-Konzern mieten, da der Mobilfunker nicht zu jedem Großkunden eigene Kabelverbindungen besitzt. Jährlich überweist Vodafone daher 500 Mio. Euro an die Bonner.
Bei Vodafone Deutschland erwirtschaftet die Geschäftskundensparte mit etwa 2,7 Mrd. Euro pro Jahr rund ein Drittel des Gesamtumsatzes, aber die Hälfte des Deckungsbeitrags. "Wir wachsen in diesem Geschäft, obwohl der Markt schrumpft - allein im abgelaufenen Geschäftsquartal um 4,6 Prozent", so Geldmacher. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs (bis Ende September) hat Vodafone Deutschland 2,33 Mrd. Euro umgesetzt. Angaben zum Gewinn machte das Unternehmen nicht
Geldmacher will von zwei Trends profitieren
Anstatt der in ländlichen Regionen für LTE genutzten Frequenzen im Bereich von 800 Megahertz will Vodafone bei Großunternehmen das Spektrum von 2,6 Gigahertz nutzen. Der Konzern hatte bei der Versteigerung der Netzagentur im Frühjahr für rund 73 Mio. Euro 40 Megahertz in diesem Frequenzbereich erworben. Bis Vodafone die Initiative voll umsetzen kann, wird es aber noch etwas dauern. Bislang gibt es in Deutschland kaum LTE-Modems und keine LTE-Handys.
Geldmacher will von zwei Trends profitieren: Virtualisierung und Mobilisierung. Vodafone soll sich als eine Art Generalunternehmer etablieren, der neben Telekomdiensten unter anderem den Zugang zu Büroanwendungen von Microsoft in einem Paket verkauft. "Das ist ein Teil unserer neuen Aufgabe, mit den Partnern gemeinsam ins Risiko zu gehen, indem wir ihnen Serviceleistungen garantieren", sagte Geldmacher.
Anstatt wie früher neue Telefonanlagen in Unternehmen aufzubauen, werden die Funktionen nun über das Internet bereitgestellt. Das Gleiche gilt für Büroanwendungen. Zusätzliche Telefonanschlüsse oder Softwarepakete können so schnell bereitgestellt, ebenso flexibel aber auch abbestellt werden. Für Kunden entfallen hohe Anfangsinvestitionen; sie zahlen eine Miete. Bei den Firmenkunden geht es zudem darum, deren Mitarbeiter mit Geräten und Software auszurüsten, mit denen sie unterwegs auf ihr Firmennetz zugreifen können.
Die breitere Angebotspalette hat jedoch Nachteile. "Die Marge sinkt, je weiter man sich in die Informationstechnik bewegt", so Geldmacher. Im Gegenzug steigt die Kundenbindung. Je mehr Dienste und Produkte über Vodafone laufen, desto schwerer fällt ein Anbieterwechsel. Zudem treibt das starke Datenwachstum das Geschäft. Geldmacher rechnet für 2011 mit einem Plus: "Wir wollen auf dem aktuellen Niveau weiter wachsen.
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