Die Vorzeichen für einen Börsengang von Zalando auf mittlere Sicht verdichten sich: Der von den deutschen Internetunternehmern Oliver, Marc und Alexander Samwer betriebene Onlineschuhversand teilte am Donnerstag mit, der russische Investor Digital Sky Technologies (DST) sei mit vier Prozent eingestiegen.
DST gilt als einer der größten Investoren im Internetgeschäft weltweit und hält unter anderem sieben Prozent an Facebook. Die Russen steigen meist bei Unternehmen ein, wenn diese in absehbarer Zeit reif für die Börse sind. "Wir freuen uns, DST als neuen Gesellschafter gewonnen zu haben", sagte Zalando-Geschäftsführer Rubin Ritter. Der Einstieg von DST kann dem Schuhhändler den Weg in den russischen Markt ebnen: Russland gilt vor allem im Bereich Mode als Boommarkt.
Erfahrene Investoren
DST gehört den russischen Milliardären Alischer Usmanow, Juri Milner und Grigori Finger und besitzt Anteil an fast allen großen Internetfirmen: Neben Facebook hält DST Anteile an Groupon, Zynga, Alibaba und 360 Buy. Und die Investmentfirma, die vor allem im russischen und osteuropäischen Markt aktiv ist, hat schon oft von Börsengängen profitiert: Im April 2010 war DST mit 135 Mio. Dollar bei dem Schnäppchenvermarkter Groupon eingestiegen, der bei seinem Börsengang im vergangenen Dezember 950 Mio. Dollar einsammelte.
Auch beim Börsengang des Internetspieleentwicklers Zynga im Jahr 2010 war DST dabei. Zuletzt hatte das in Moskau ansässige Unternehmen einen Anteil von fünf Prozent am US-Nachrichtendienst Twitter für rund 400 Mio. Dollar erworben - der ebenfalls als möglicher Börsenkandidat gilt. "Zalando hat ein professionelles Managementteam, eine sehr beeindruckende Entwicklung und großes Potenzial, von dem immensen Wachstum in dem europäischen E-Commerce Segment zu profitieren", sagte Alexander Tamas, Partner bei DST Global.
Ein Börsengang gilt für Zalando als plausible Lösung. Der Onlinehändler hat nach Informationen der impulse-Schwesterzeitung Financial Times Deutschland bei Risikokapitalgebern bislang 200 bis 250 Mio. Euro eingesammelt - so viel wie kaum ein anderes europäisches Unternehmen. Diese suchen irgendwann den Ausstieg.
Margenschwaches Geschäft
Zwar hat das 2008 in Berlin gegründete Unternehmen durch seinen Onlineschuhhandel den gesamten Markt aufgemischt, wie auch die großen Filialisten Deichmann und Görtz zuletzt zugaben. Doch durch das margenschwache Geschäft mit den kostenlosen Retoursendungen der Kunden ist Zalando für eine Übernahme derzeit nicht besonders attraktiv. Darüber hinaus kämen nur wenige große Unternehmen wie das US-Onlineauktionshaus Ebay oder der deutsche Versandhändler Otto infrage, die über genügend Kapital verfügen, um den Onlinehändler mit einem Jahresumsatz zwischen 500 Mio. bis 1 Mrd. Euro zu kaufen. Der US-Onlinehändler Amazon hatte sein Angebot im Bereich Schuhhandel bereits durch den Kauf des Konkurrenten Zappos für etwa 1 Mrd. Dollar abgedeckt.
Neben den Samwer-Brüdern halten die Venture-Tochter der Holtzbrinck-Gruppe, der Einzelhandelskonzern Tengelmann, die Beteiligungsfirma Kinnevik sowie die beiden Unternehmensgründer Gentz und Schneider Anteile an Zalando.
Quelle: ftd.de
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