Contis umstrittener Aufsichtratschef und Schaeffler-Berater Rolf Koerfer gibt bis zur nächsten Gremiensitzung am 29. September seinen Posten ab, bleibt aber weiter im Präsidium. Dafür blockierte die Arbeitnehmerseite nicht mehr die Ablösung von Konzernchef Karl-Thomas Neumann. Den wollte Schaeffler loswerden. Neuer Conti-Chef wird der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart.
Vorerst kehrt damit Ruhe in den monatelangen Streit zwischen den beiden Unternehmen ein. Autohersteller hatten Schaeffler laut Insidern schon gewarnt, einen länger andauernden Zwist nicht mehr akzeptieren zu wollen. "Wir haben ihnen gesagt, wo wir Probleme sehen", hieß es bei einem großen Konzern. Wie stabil der Frieden sei, werde sich zeigen, hieß es in Verhandlungskreisen. Einige Vertreter der Kapital- und Arbeitnehmerseite hatten lnsidern zufolge ursprünglich verlangt, dass Koerfer den Aufsichtsrat ganz verlässt. Es habe sich auch noch kein Anteilseignervertreter bereiterklärt, für Koerfer sein Amt abzugeben - da ein externer Aufsichtsratschef gefunden werden soll, wäre das aber nötig. Ein neuer Oberkontrolleur für Conti stehe auch noch nicht fest, hieß es. Die Suche laufe noch.
"Ich bin zufrieden", sagte Vize-Aufsichtsratschef und IG-BCE-Vorstand Werner Bischoff. "Es war eine ziemliche Rauferei, aber ich denke, dass wir gute Chancen haben, jetzt wieder vernünftige Politik zu machen. Das ist ein Kompromiss, der steht", betonte er. Der zum neuen Conti-Chef ernannte Elmar Degenhart mache auf ihn einen "guten Eindruck", sagte Bischoff.
Auch die gute Arbeit von Neumann hob er nochmals hervor. Neumann erhalte eine Abfindung von 7,4 Millionen Euro. Von dieser ihm vertraglich zustehenden Summe zahlt die Schaeffler Gruppe laut Firmenkreisen die Hälfte. Die Arbeitnehmervertreter hätten darauf angesichts der Kostenzwänge bei Conti gedrungen, heißt es.
Schaefflers hatten Neumann das Vertrauen entzogen. Der Conti-Chef hatte etwa vehement für eine Kapitalerhöhung getrommelt, da der Zulieferer aus Hannover Angst vor dem Bruch seiner Kreditbedingungen hat. Der Großaktionär hatte sich dadurch und durch eine Reihe weiterer Querschüsse angegriffen gefühlt.
Doch die versuchte Abwahl Neumanns im Aufsichtsrat Ende Juli misslang, da die Arbeitnehmer sich vor den Conti-Vorstandschef stellten. Es kam zum Eklat. Auch Vertreter der Kapitalseite kritisierten Schaefflers Vorgehen. Letztlich sei Neumann aber gegen den Willen des Großaktionärs nicht zu halten, hieß es.
Schaeffler hat für den Friedensschluss auch die Vorschläge von Conti für die Wahl mehrerer neuer Vorstände aus den eigenen Reihen akzeptiert. So sollen die Leiter der Divisionen Pkw-Reifen, Interior und Chassis & Safety - Nikolai Setzer, Helmut Matschi und Ralf Cramer - zu Vorständen ernannt werden.
"Die am Mittwoch gefassten Beschlüsse machen den Weg frei für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit beider Unternehmen im Interesse der Kunden", sagte Schaeffler-Chef Jürgen Geissinger am Mittwoch nach der Einigung. "Wir setzen darauf, dass der neue Vorstand konstruktiv und sachorientiert zusammenarbeiten wird", betonte er. Vor dem Problem der Zusammenführung der Konzerne müssen beide Seiten jetzt allerdings erst ihre Finanzprobleme in den Griff bekommen. Schaeffler hat sich mit dem Kauf von 90 Prozent an Conti übernommen. Schulden von 11,5 Milliarden Euro drücken den Konzern. Auch Conti machen Verbindlichkeiten von knapp 10 Milliarden Euro zu schaffen. Er rechne in den nächsten zehn bis zwölf Monaten mit keiner Fusion, sagte Bischoff am Mittwoch bereits.
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