Die 85.000 Beschäftigten der Stahlindustrie in Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen erhalten ab dem 1. Oktober 3,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Darauf einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft am Donnerstagmorgen bei der dritten Verhandlungsrunde in Düsseldorf.
Im September erhalten die Stahlkocher eine Pauschale von 150 Euro. Die Ausbildungsvergütungen werden um 40 Euro erhöht. Erstmals wurde vereinbart, dass Leiharbeiter künftig den gleichen Lohn bekommen wie die Stammbelegschaft. Sie werden nach Gewerkschaftsangaben ab dem 1. Januar 2011 nach dem Grundsatz "gleiche Arbeit - gleiches Geld" bezahlt. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 14 Monaten. Die Gewerkschaft hatte eine Lohnerhöhung von 6 Prozent gefordert.
Der Abschluss gilt für Beschäftigte von Branchengrößen wie ThyssenKrupp, Salzgitter und Arcelor Mittal. Nach dem Krisenjahr 2009 laufen die Hochöfen der Branche wieder auf Hochtouren. Die Auslastung liegt teilweise bei über 90 Prozent, die Kurzarbeit ist weitgehend aufgehoben. Nach den Worten Burkhards hat eine Lohnerhöhung nur begrenzte Auswirkungen auf die Gewinnlage der Unternehmen. Der Anteil der Lohnkosten an den Produktionskosten für eine Tonne Stahl liege bei neun Prozent. Der größte Brocken sind die Rohstoffkosten.
Arbeitgeber sehen erhebliche Belastung
"Das Volumen der Entgeltanhebung belastet unsere Mitgliedsunternehmen erheblich", sagte der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Stahl, Helmut Koch. Wegen der Rahmenbedingungen der diesjährigen Tarifrunde sei jedoch keine moderatere Einigung möglich gewesen. Positiv zu bewerten sei, dass der vereinbarte Prozentsatz mit einer verlängerten Laufzeit habe verknüpft werden können.
Vor allem mit einer Flächentarifregelung zu den Zeitarbeitern taten sich die Stahl-Unternehmen schwer. Sie wollten auch kein Exempel für andere Branchen mit Zeitarbeitern - etwa die Metall- oder die Bauindustrie - statuieren. "Die Leiharbeit hat bei uns nicht die Bedeutung wie in anderen Branchen", sagte Koch.
Der Anteil der Leiharbeiter liegt in der Stahlindustrie bei etwa bei drei Prozent. Schon jetzt würden viele der 3000 Leiharbeiter den gleichen Lohn erhalten, sagte Koch. Die Gewerkschaft will verhindern, dass die Unternehmen im Aufschwung verstärkt auf Zeitarbeiter zurückgreifen. Facharbeiter verdienen in der Stahlindustrie nach IG Metall-Angaben monatlich rund 2600 Euro brutto, Leiharbeiter etwa 20 Prozent weniger.
"Es ist ein starkes Signal, was den Umgang mit der Leiharbeit in Deutschland angeht", sagte der nordrhein-westfälische IG Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard. Inwieweit die Regelung auf andere Branchen übertragen werden könne, ließ er offen. "Der Aufschwung darf nicht nur mit Leiharbeit gefahren werden."
Hoher Organisationsgrad in der Stahlindustrie
Burkhard hatte gesagt, dass für die Stahlarbeiter die Zeit der Bescheidenheit vorbei sei. "Wir halten das für die erste Tarifrunde in der Nachkrisenzeit. Die Krise war gestern", hatte er gesagt. Das Verhandlungsergebnis sorge dafür, dass die Beschäftigten fair und dauerhaft am Aufschwung beteiligt würden. In der Wirtschaftkrise hatte die IG Metall noch den Schwerpunkt auf die Beschäftigungssicherung gelegt. Sie hatte sich 2009 mit einer Einmalzahlung von 350 Euro begnügt und für 2010 eine Lohnerhöhung von zwei Prozent akzeptiert. Nachdem die Arbeitgeber auch in der zweiten Verhandlungsrunde kein Angebot vorgelegt hatten, hatte die IG Metall in der vergangenen Woche zu Warnstreiks aufgerufen.
Daran hatten sich der Gewerkschaft zufolge 17.000 Beschäftigte beteiligt. Vor dem Auftakt der Gespräche am Mittwoch hatten rund 700 Stahlkocher mit einer Protestaktion die Forderungen der Gewerkschaft unterstrichen. "Mehr muss her", forderten sie auf Plakaten. In der Stahlindustrie ist der Organisationsgrad besonders hoch. Rund 77.000 der 85.000 Beschäftigten sind nach Angaben der IG Metall Gewerkschaftsmitglieder.
Quelle: ftd.de
© 2010 dpa
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