10.05.2010

Nach dem Kölner Archiv-Einsturz: Bilfinger Berger trotz Pfuschvorwürfen mit Gewinn

Nach den Schlagzeilen der vergangenen Monate wurde es jüngst wieder ruhiger um Bilfinger Berger
Zoom Nach den Schlagzeilen der vergangenen Monate wurde es jüngst wieder ruhiger um Bilfinger Berger
© ddp
Der Gewinn steigt kräftig - und für mögliche Forderungen wegen der Pfuschvorwürfe der vergangenen Monate wird kein Geld zurückgelegt. Die Bilanz des ersten Quartals macht Bilfinger Berger für den Rest des Jahres optimistisch.

Pannen an den U-Bahn-Baustellen in Köln und Düsseldorf, die nach wie vor ungeklärte Ursache des Kölner Archiv-Einsturzes im Frühjahr 2009, angebliche Fehler beim Bau der ICE-Strecke Nürnberg-Ingolstadt und Schlaglöcher auf der A1 zwischen Hamburg und Bremen - für Bilfinger Berger kam es dicke in den vergangenen Monaten. Gegen einige Vorwürfe wehrte sich der Konzern zuletzt erfolgreich.

Der harte Winter machte der gesamten Bauindistrie zusätzlich zu schaffen. Doch der Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzern schlug sich erfolgreich in den ersten drei Monaten des Jahres. Am Morgen meldete Bilfinger Berger eine kräftige Gewinnsteigerung von 23 auf 48 Milliarden Euro im ersten Quartal.

Zugleich bekräftigte das Unternehmen seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Bilfinger Berger profitierte unter anderem von der erstmaligen Einbeziehung des Industrie- und Kraftwerksdienstleisters MCE.

Ohne das zum Verkauf gestellte Australien-Geschäft ergab sich bei der Leistung ein leichter Rückgang von 1,777 auf 1,773 Milliarden Euro. Bilfinger Berger will sein Australien-Geschäft an die Börse bringen beziehungsweise an einen Investor verkaufen, um unabhängiger von den zyklischen Baugeschäften zu werden. Der Konzern wird derzeit umgebaut und will sich künftig stärker auf Dienstleistungen konzentrieren.

Aufträge stiegen um sechs prozent

Inklusive Australien lag die Leistung bei 2,450 Milliarden Euro nach 2,418 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr sei weiter eine Leistungszunahme im fortgeführten Geschäft und eine überproportionale Steigerung des Gewinns zu erwarten, hieß es.

Der Auftragsbestand stieg um sechs Prozent auf 8,9 Milliarden Euro. Damit ist der Konzern rechnerisch mehr als ein Jahr ausgelastet.

Bilfinger Berger bekräftigte, es gebe aus Sicht des Konzerns und der Staatsanwaltschaft keinen Zusammenhang zwischen dem tragischen Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor gut einem Jahr und Mängeln an einer nahe gelegenen Baugrube. Bei dem Gebäudeeinsturz waren zwei Menschen ums Leben gekommen.

Für das Baudebakel in Köln nimmt Bilfinger Berger keine Rückstellungen vor. Dies sei in Anbetracht der Sachlage und des bestehenden Versicherungsschutzes aus heutiger Sicht nicht erforderlich, teilte der Konzern mit. Die wirtschaftlichen Risiken, die sich aus dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs ergeben könnten, habe der Konzern analysiert.

© 2010 ftd.de

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