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14.07.2010

Naturschutz vs. erneuerbare Energie: Windparks bricht Fundament weg

Von: Harald Czycholl
Zahlreichen Unternehmen, die sich auf Hochseewindparks spezialisiert haben, drohen nun Einbußen
Zoom Zahlreichen Unternehmen, die sich auf Hochseewindparks spezialisiert haben, drohen nun Einbußen
© AP
Dem Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland droht eine weitere Verzögerung. Das Bundesamt für Naturschutz hat Bedenken gegen die derzeit gebräuchlichen Fundamente der Windräder, weil sie die Tierwelt gefährdeten.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) genehmigt daher vorerst keine weiteren Fundamente mehr. Das geht aus einem der Financial Times Deutschland (FTD) vorliegenden Schreiben des BfN an das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hervor.

Derzeit sind zwei Fundamenttypen im Einsatz. Zum einen gibt es Stahlfundamente, die mit 15.000 Hammerschlägen im Meeresboden befestigt werden. Der dabei entstehende Lärm vertreibt allerdings Schweinswale aus ihrem Lebensraum, wie Studien am ersten deutschen Hochseewindpark Alpha Ventus ergeben haben. Die zweite Möglichkeit sind sogenannte Schwerkraftfundamente aus Beton. Sie versiegeln jedoch den Meeresboden und schaden damit Krebsen und Muscheln. "Schwerkraftfundamente können nicht als Alternative für Fundamente, die mithilfe schallintensiver Rammungen am Meeresboden installiert werden müssen, angesehen werden", heißt es in dem Schreiben. Vorzuziehen seien "durch Bohrung eingebrachte Fundamente". Technisch ist es zwar möglich, die Windräder mit einer Bohrung und Beton zu befestigen - es gibt jedoch noch keinen Anbieter für das Verfahren.

Den zahlreichen Unternehmen, die sich auf Hochseewindparks spezialisiert haben, drohen nun Einbußen. Besonders betroffen sind Firmen, deren Genehmigungsverfahren schon fortgeschritten ist. Denn die Verfahren sind langwierig und verschlingen mehrstellige Millionenbeträge, etwa für Gutachten und Umweltverträglichkeitsstudien. "Das Vorgehen des BfN ist mittelstandsfeindlich und Investoren, die bereit sind, Milliardenbeträge für die Erreichung der Klimaziele der Bundesregierung zu investieren, kaum zu vermitteln", klagt Ubbo de Witt, Geschäftsführer des Oldenburger Unternehmens Sandbank Power, das einen Windpark westlich von Sylt plant. Die Anlagen sollen "weit ab der Nationalparks hinter dem Horizont" errichtet werden, und man habe sich damit an alle Vorgaben der Bundesregierung gehalten.

Wie die FTD aus Branchenkreisen erfuhr, haben sämtliche Unternehmen, deren Genehmigungsverfahren noch laufen, die Frage der Fundamente aus Angst vor einem Ablehnungsbescheid aus ihren Anträgen vorerst ausgeklammert. Doch ohne Fundament kein Windrad - damit ist jede Genehmigung erstmal wertlos.

Pauschale Ablehnungen von Fundamentvarianten gebe es nicht, hieß es dagegen beim BfN. Auch das BSH teilte mit, von einer Art Moratorium gegen die Genehmigung weiterer Offshore-Windparks könne keine Rede sein. "Wir machen hier keine Politik, sondern sind nur Genehmigungsbehörde", sagte eine Behördensprecherin. Umweltbelange würden bei den Genehmigungsverfahren in jedem Einzelfall geprüft. Ziel sei, "die Offshore-Windenergienutzung mit den Notwendigkeiten des Naturschutzes in Einklang zu bringen", sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums.

Die FDP forderte, dem BfN die Genehmigungskompetenzen für Offshore-Windparks zu entziehen. Allein das BSH solle zuständig sein, so der Bundestagsabgeordnete Torsten Staffeldt. "Das BfN treibt den Naturschutz ins Absurde. Wenn wir so weitermachen, können wir die Ausbauziele bei der Offshore-Windkraft nicht erreichen."

© 2010 ftd.de

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