22.01.2008

Netzwerke: Ein Promi für alle Fälle

Agenturchef Joachim Ramelow von der MP Marketing Partner AG und Hans Eichel, sein prominenter Aufsichtsrat
Agenturchef Joachim Ramelow von der MP Marketing Partner AG und Hans Eichel, sein prominenter Aufsichtsrat
© Katrin Binner
Bekannte Persönlichkeiten als Aufsichts- oder Beirat öffnen die Türen zu neuen Geschäftschancen. Was bei der Auswahl wichtig ist.

Für Hans Eichel ist das neue Mandat eine echte Herausforderung. Seit dem Frühjahr 2007 ist der Hesse, der sechs Jahre das Amt des Bundesfinanzministers innehatte, nun Mitglied des Aufsichtsrats der MP Marketing Partner AG. "Mit seiner Un­terstützung wollen wir neue Märkte er­obern", sagt MP-Vorstand Joachim Ramelow. Und der Erfolg scheint programmiert: Die anvisierte Zielgruppe – kommunale und staatliche Betriebe – kennt Eichel aus dem Effeff. "Die Erwartungen und den Bedarf dieses Bereichs zu analysieren, darauf das Dienstleistungsangebot auszurichten, dabei kann ich der Marketing Partner AG helfen", erklärt Eichel.

Die Unternehmensberatung ist erfolgreicher Vertriebsspezialist. Auf der Referenzliste stehen Vorzeigekunden wie VW, BASF und Deutsche Telekom. Doch das reichte bislang nicht, der Firma imagefördernde öffentliche Aufmerksamkeit zu bescheren. Mit der prominenten Verstärkung sollte es gelingen, weitere namhafte Auftraggeber zu gewinnen.

Bekannt und kompetent, mit dieser Kombination haben die Wies­badener einen idealen Kandidaten gewinnen können. "Eine gute Mischung", urteilt Professor Peter May von der Intes-Akademie für Fami­lienunternehmen, Experte für die Besetzung solcher Positionen. Aufsichtsräte und Beiräte sollen ja nicht nur den Türöffner für Märkte spielen, sondern das Unternehmen umfassend bei seiner strategischen Aus­richtung unterstützen. Immerhin: In mehr als 43 Prozent aller Entscheidungen konsultieren Firmen ihre Beiräte, wie das Institut für Mittelstandsforschung in einer Umfrage feststellte. Doch wie kommen relativ unbekannte Firmen zu einer hochkarätigen Besetzung? Gerade Promis wie Eichel und Co sind schwer beschäftigt und lassen sich nicht mit einer Durchschnittsvergütung anlocken. Wie es dennoch gelingt, beschreiben die Beispiele erfolgreicher Firmenchefs.

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Unternehmerisches Profil

Wer ein Mandat für seine Firma zu vergeben hat, sollte auf keinen Fall allein auf den Bekanntheitsgrad der potenziellen Kandidaten schielen. "Vor allem Aufsichtsräte werden immer mehr vom Gesetzgeber in die Pflicht genommen, um die Geschäftsleitung zu kontrollieren – und dazu braucht es Fachkompetenz", erklärt Alexander von Preen, Partner der Kienbaum Management Consultants. Seine Idealvorstellung: Im berufenen Kreis sitzen jeweils ein Experte für Vertrieb, Marketing, Finanzen und Personal.

Auch vom Beirat, den es immerhin in jedem zweiten größeren Familienbetrieb gibt, erwarten die Firmen zunehmend kompetente Unterstützung. "Er kann zum Beispiel bei Streitigkeiten innerhalb der Unternehmerfamilie schlichten, den Ge­nerationenwechsel im Management vorantreiben oder im Ernstfall – wenn der Chef ausfällt – helfen, die Weiterführung der Geschäfte sicherzustellen", so Intes-Inhaber May. Zu guter Letzt dienen die Mitglieder als Sparringspartner, wenn es darum geht, neue Märkte zu er­obern. So geschehen beim deutschen Ableger der Internetgesellschaft Fon. Die weltweit mehr als 600.000 Mitglieder betreiben rund 250.000 Hotspots. Um den Markt auszubauen, hat sich Eu­ropa-Chef Robert Lang für den Beirat zwei Prominente gesichert: Marc Samwer und Christiane zu Salm.

Werbemittel Promi-Beirat

Samwer gründete das Online-Auk­tionshaus Alando sowie das Handy-Portal Jamba. "Er bringt uns vor allem mit seinen Strategieerfahrungen weiter, die er bei diesen Start-ups gesammelt hat", so Lang. Die Medienexpertin Christiane zu Salm ist ihrerseits bestens mit innovativen Geschäfts­ideen vertraut und an zahlreichen Start-ups beteiligt. "Die gute Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Beiräten kann ein immenser Wettbewerbsvorteil sein", ist sich zu Salm sicher. Und sei es auch nur, um als noch recht unbekannte Firma wegen der Rekrutierung ihres prominenten Beirats in zahlreichen Publikationen genannt zu werden – günstiger ist Werbung kaum zu haben.

Für den Unternehmer liegen die Vorteile einer solchen Partnerschaft auf der Hand. Doch wie überzeugt man einen prominenten Türöffner, sich trotz der ohnehin schon zahlreichen Verpflichtungen für ein weiteres Unternehmen ins Zeug zu legen? Nicht jeder hat schließlich das Glück, wie Lang ein alter Studienkollege der Internetikone Samwer zu sein. "Sie müssen Überzeugungsarbeit leisten – tun Sie so, als ob Sie Ihr Unternehmen verkaufen wollen", rät Kienbaum-Partner von Preen. "Bieten Sie ihm zudem die Aussicht, den Erfolg einer Firma mitgestalten zu können", ergänzt Professor May.

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