Es ist eine Premiere für Schaeffler. Eine weitere in der Serie von Premieren, seit der einst so verschlossene Familienkonzern sich 2008 mit dem Kauf der dreimal so großen Continental überhoben hat: Ab Montag waren Schaeffler-Vorstandschef Jürgen Geißinger und sein Finanzvorstand Klaus Rosenfeld bei Anleiheinvestoren auf Werbetour, in Frankfurt, London, Paris und New York. Mindestens 1 Mrd. Euro wollten sie hereinholen. Am Donnerstag wurden die Bücher geschlossen - herein kamen 2 Mrd. Euro. Ein Riesenerfolg.
Für Schaeffler bedeutet dies mehr als nur ein gelungenes Debüt am Anleihemarkt. So wie auch die gerade verkündeten neuen Kredite von 8 Mrd. Euro nicht einfach nur neue Kredite sind, die zudem durch die Anleihemilliarden schon wieder auf 6 Mrd. sinken. Zum ersten Mal seit der verunglückten Conti-Übernahme sind bislang unbeteiligte Banken und Investoren bereit, Schaeffler ihr Geld anzuvertrauen - und das in Scharen.
Bei dem 8-Mrd.-Euro-Kredit, mit dem bestehende Darlehen umfinanziert wurden, übernahmen die Deutsche Bank, BNP Paribas, HSBC und JP Morgan nach Informationen der impulse-Schwesterzeitung Financial Times Deutschland (FTD) aus Finanzkreisen die Hälfte des Volumens. Dabei ging jede der vier Banken zunächst mit 1 Mrd. Euro ins Risiko - das gab es auch anderswo lange nicht mehr. Für die Altkreditgeber um die geplagte Commerzbank war dies ein Segen. Sie konnten ihr Engagement senken.
Das Überraschende daran ist: Große Angst, dass die kostbaren Milliarden in Schaefflers weiter über 12 Mrd. Euro großem Schuldenschlamassel versickern, scheint kaum noch jemand zu haben. Ein Grund für diese Zuversicht steht im über 500 Seiten dicken Anleiheprospekt: Die ertragsstarke operative Schaeffler AG, die die Kreditnehmerin ist und auch die Anleihe begibt, wurde finanziell von der mehrstufigen Familienholding von Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg regelrecht abgeriegelt. Die noch aus dem Conti-Kauf mit 4,7 Mrd. Euro verschuldete Holding hat kein operatives Geschäft. Ihr Finanzbedarf galt lange als Risiko - für die Schaeffler AG und für Conti.
So ist in den Anleihebedingungen minutiös festgelegt, wie viel Geld die Holding bei der Schaeffler AG abziehen darf. Zunächst dürfen jährlich nur 200 Mio. Euro von der AG an die Holding fließen, über die Jahre steigt der Betrag auf 300 Mio. Euro. Und die Holding darf das Geld auch nur für ihren Schuldendienst, ihre Steuern sowie eng definierte Verwaltungskosten verwenden. Um die Details wurde hart gerungen, wie ein Verhandlungsteilnehmer berichtet. Dass dabei nichts schief läuft, ist auch für Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler von entscheidender Bedeutung. Wäre das Korsett zu eng geschnürt, könnten sie die Zinsen für ihre Holding-Schulden nicht mehr zahlen - und müssten womöglich zur Unzeit Conti- oder Schaeffler-Anteile verkaufen.
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