Um einen flotten Spruch ist Sergio Marchionne selten verlegen. Genau ein Jahr ist es her, da meldete der Fiat-Chef Interesse am Lastwagen-Geschäft von Volkswagen an. Das war damals allerdings pure Rhetorik und eine Retourkutsche. Denn der italienisch-kanadische Manager war genervt, weil VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ständig quengelte, er wolle Fiats Kultmarke Alfa Romeo haben. Die bekommt er aber nach Meinung von Marchionne nicht. Basta.
Dieses Mal könnten die Worte des Fiat-Chefs ernst gemeint sein: Auf der Automesse in Detroit sagte er, Europa benötige einen zweiten starken Autobauer neben VW. "Es braucht eine weitere Runde der Konsolidierung", führt der Manager aus. "Ich denke, man muss ein zweites Volkswagen schaffen in puncto Größe."
Der Autohersteller aus Turin, zu dem auch der US-Konzern Chrysler gehört, will also auf dem Heimatkontinent ein Gegengewicht zum Rivalen VW schaffen. "Wenn sich zwei europäische Autokonzerne zusammenschließen, erhält man die richtige Antwort", sagte Marchionne. Fiat sei grundsätzlich bereit, sich an einer solchen Konsolidierung zu beteiligen. Volkswagen halte rund 20 Prozent des Marktanteils in Europa. Wie er sich ein solches Gegengewicht genau vorstellte und wer sich da alles zusammenschließen soll, sagte er nicht.
Spekulieren kann man ja mal
Wo wenig Konkretes gesagt wird, gibt es Raum für Gerüchte: Die italienische Zeitung "Corriere Della Sera" berichtete prompt, der französische Konzern PSA Peugeot Citroën sei bereit, eine Allianz mit Fiat zu diskutieren. Eine Peugeot-Sprecherin wollte die Meldung nicht kommentieren - sie dementierte sie aber auch nicht rundweg.
Gut möglich, dass Marchionne hinter den Kulissen mit den Franzosen spricht. Aus der Sicht von Beobachtern Zeitung wäre eine punktuelle Kooperation zwischen den zwei Unternehmen keine schlechte Idee - vor allem bei Kleinwagen. Denn in Europa wird das Geschäft aktuell schwieriger. Vor allem für die südlicheren Staaten der Euro-Zone rechnen Marktexperten wegen der Schuldenkrise mit schwachen Autoverkäufen in diesem Jahr. Da dürfte einem Autokonzern eine - kostensparende - Allianz mit einem Partner gelegen kommen.
Ob aber letztendlich eine Fusion zwischen Fiat und Peugeot denkbar ist? Beobachter hegen zumindest Zweifel daran. Denn stärkster Anteilseigner an der PSA-Gruppe ist die Familie Peugeot, die rund 30 Prozent an dem Hersteller hält. Die Peugeots gelten nicht gerade als Besitzer, die gern Macht abgeben würden. Gut möglich also, dass Marchionne mal wieder nur laut nachgedacht hat.
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