Im Handelsstreit zwischen China und den Vereinigten Staaten werden die deutschen Autobauer BMW und Daimler nach eigener Einschätzung glimpflich davonkommen. Peking will Autos, die in den USA vom Band rollen und nach China geliefert werden, mit gestaffelten Strafzöllen belegen. Die neuen Abgaben werden für große Fahrzeuge mit einem Hubraum ab 2,5 Litern fällig – zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 25 Prozent, den Peking für jedes importierte Auto verlangt.
Bei BMW und Daimler - beide mit Werken in den USA - betreffen die Zölle hauptsächlich teure Geländewagen, für die aber nur geringe Strafzölle um die zwei Prozent gelten sollen. Entsprechend gelassen fielen die Reaktionen der Hersteller aus. VW produziert in den USA nur für den US-Markt und ist daher nach Angaben eines Sprechers überhaupt nicht betroffen.
"Für die deutschen Hersteller ist das kein signifikantes Problem", sagte auch Automobilexperte Christoph Stürmer vom Wirtschaftsforschungsinstitut IHS Global Insight. Bei den betroffenen Wagen deutscher Hersteller seien die Margen so hoch, dass eine Preiserhöhung nicht sonderlich ins Gewicht falle. Viel schlimmer treffe es die amerikanischen Autobauer. Auf die bisher für alle Importeure geltenden Einfuhrzölle zwischen 20 und 25 Prozent käme der Aufschlag jetzt noch hinzu. "GM muss jetzt Importzölle von gut 40 Prozent zahlen".
Retourkutsche wegen der US-Strafzölle auf chinesische Reifenimporte?
Peking verteidigte seine Entscheidung. Sie basiere "auf Gesetzen und Tatsachen", teilte das Handelsministerium am Donnerstag in Peking nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua mit. Die schon seit zwei Jahren laufende Untersuchung sei "objektiv, gerecht und verantwortlich" vorgenommen worden. Auslöser seien Klagen chinesischer Autohersteller über unfaire Praktiken und Dumpingpreise der US-Konkurrenz gewesen. Beobachter vermuten eine Retourkutsche unter anderem wegen der US-Strafzölle auf chinesische Reifenimporte.
Kongressabgeordnete in Washington kündigten jedoch Widerstand gegen die Strafzölle an: "Chinas Aktion ist ungerechtfertigt und unglücklich", kritisierten vier Abgeordnete in einer parteiübergreifenden Erklärung. "Wir haben es hier offensichtlich mit einem weiteren Fall von unzulässiger Vergeltung gegen die USA und ihre Handelspartner zu tun." Präsident Barack Obama solle die Zölle anfechten, forderten die Politiker. Mit der Erhebung der Zölle verstoße China gegen seine Verpflichtungen gegenüber dem Welthandelsabkommen (WTO).
Große Autos, hohe Abgaben
China plant, abgestuft nach Produzent jeweils Zölle bis zu 21,5 Prozent wegen Dumpings sowie bis zu 12,9 Prozent wegen Subventionen auf importierte Limousinen und Geländewagen mit Motoren über 2,5 Liter Hubraum aus den USA zu erheben. Die zwei Jahre geltenden Strafabgaben waren bereits im Mai angedroht worden. Am Mittwoch hatte Peking plötzlich mitgeteilt, die Regel gelte ab Donnerstag, also ab sofort.
BMW produziert in den USA die meisten seiner Geländewagen und liefert sie auch nach China. "Es sind kaum Auswirkungen zu erwarten", sagte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur dpa zu den Strafzöllen. "In China werden viele hochpreisige Autos nachgefragt", erklärte der BMW-Sprecher. Seit Jahresbeginn seien rund 15.000 X5, knapp 6000 der kleineren X3 sowie etwa 7700 der größeren X6 Geländewagen, die aus dem US-Werk Spartanburg stammen, in China verkauft worden.
Quelle: ftd.de
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