Dort werden zukünftig extra starke Klebebänder produziert werden, mit denen Tesa zum Zulieferer für die Bauindustrie werden will. Derzeit läuft bereits eine Pilotfertigung für den Schweizer Anlagenbauer Oerlikon. Ende vergangenen Jahres hatte Tesa eine Reinraumproduktion in Betrieb genommen, in der Arzneimittelpflaster für die Pharmaindustrie hergestellt werden. Beide Branchen - Bauindustrie und Health Care - sind wichtige Märkte für den amerikanischen Weltmarktführer 3M.
In den vergangenen drei Jahren hat sich Tesa mit hohen Investitionen von 100 Mio. Euro als Hightechunternehmen neu aufgestellt. Das Endkundengeschäft mit Produkten wie Tesafilm steuert inzwischen nur noch ein Viertel des Umsatzes bei. Dieser war im Krisenjahr 2009 auf 747 Mio. Euro eingebrochen, nach 860 Mio. Euro im Vorjahr. Im herkömmlichen Industriegeschäft fehlt Tesa dagegen das Gewicht, um langfristig gegen Branchengrößen wie den US-Konzern 3M zu bestehen. Zudem bedienen auch asiatische Hersteller inzwischen die Nachfrage der Industrie nach technologisch weniger anspruchsvollen Lösungen. "Es gab für uns keine Alternative zur Konzentration auf hoch technologische Spezialprodukte", sagte Unternehmenschef Thomas Schlegel.
Während Tesa schon länger als Zulieferer für die Automobil- und Elektronikindustrie arbeitet, hatte das Unternehmen bislang keine Lösungen für die Baubranche im Angebot. Anders als bei Handys und Autos, wo bereits seit Jahren mit flexiblen und leichten Verklebungen gearbeitet wird, steht der Markt für Permanentkleber in der Bauindustrie noch am Anfang. "Vor allem in Europa gibt es noch psychologische Hemmungen, obwohl permanente Verklebungen herkömmlichen Fixierungen oft überlegen sind. Asien ist da schon viel weiter", so Schlegel. Die Beiersdorf-Tochter erhofft sich in dieser Branche großes Potenzial. "Die Baubranche kann für Tesa etwa das sein, was die Mobilfunkindustrie vor zehn Jahren wurde - ein substanzieller Umsatzbringer", so der Unternehmenschef.
Dennoch nehmen sich die Umsatzprognosen bislang vergleichsweise verhalten aus. "Mittelfristig glauben wir fünf bis acht Prozent des Weltmarkts für hochfeste Klebebänder erreichen zu können", sagte Schlegel. Bei einem Gesamtmarkt, der laut Tesas Schätzungen etwa 1 Mrd. Euro groß ist, wären das demnach 50 bis 80 Mio. Euro. Ähnlich sieht es beim Geschäft mit Arzneimittelpflastern aus. Auch hier schätzt das Unternehmen den Markt auf etwa 1 Mrd. und glaubt, davon in den kommenden drei bis fünf Jahren fünf Prozent erobern zu können.
Erst kürzlich erhielt Tesa den ersten Auftrag für die neue Health-Care-Sparte. Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline lässt künftig seine Herpespflaster im Werk in Hausbruch fertigen. Verhandlungen mit anderen Pharmaunternehmen liefen, stellte Schlegel fest. Erste Umsätze mit den neuen Health-Care-Produkten werden aber erst für 2011 erwartet. Die Verfahren seien jedoch ähnlich wie bei den hochfesten Klebebändern langfristig, weshalb Schlegel davon ausgeht, dass "in diesem Jahr sich die neuen Produktionsanlagen noch nicht im Umsatz niederschlagen werden".
Die lösungsmittelfreien doppelseitigen Klebebänder, die das Unternehmen nun produziert, ermöglichen eine bis zu zehnmal stärkere Klebekraft und einen dickeren Auftrag der Klebemasse. Auch elektrisch leitfähige Klebestreifen sind möglich, was besonders für die Elektro- und Solarindustrie interessant ist. "Wir waren bei diesen Kunden zuvor technisch etwas limitiert", sagte Schlegel. Neben der Bauindustrie setzt Tesa auch große Hoffnungen in die Solarindustrie. Bei der Pilotfertigung für Oerlikon geht es um die Verklebung in Solarpaneelen.
Die Investitionen in die neuen Anlagen will Tesa bereits in den kommenden acht bis zehn Jahren amortisiert haben - auch weil die Renditen im Industriegeschäft bei 15 bis 20 Prozent liegen. "In einigen Bereichen sind sie sogar noch höher", sagte der Manager.
Auch deshalb prognostiziert der Tesa-Chef für dieses Geschäftsjahr mit neun Prozent eine Gewinnmarge auf nahezu Vorkrisenniveau. 2009 hatte die Wirtschaftskrise die Marge auf 3,9 Prozent einbrechen lassen.
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