Wer rechnet schon mit dem Schlimmsten. "Wir waren völlig unvorbereitet, als es passierte", erinnert sich Reinhold Metzner. Ein schwerer Autounfall brachte den Unternehmer vor einigen Jahren mit lebensgefährlichen inneren Verletzungen für sechs Monate ins Krankenhaus. Zuerst lag der Diplomingenieur auf der Intensivstation im Koma, danach war er aufgrund der starken Medikamente lange zu keinem klaren Gedanken fähig.
Er hat überlebt. Seine Firma, in der Nähe von Landsberg im idyllischen Grün gelegen, hätte es beinahe nicht geschafft. Denn der Unfall kam zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt: Für sein Unternehmen, die Spechtenhauser Pumpen GmbH, standen Lizenzverhandlungen in den Vereinigten Staaten und Produktprüfungstermine in Schweden an. Das neue Betriebsgebäude war noch eine Baustelle und der Umzug fest terminiert. "Meine Frau war regelrecht verzweifelt, denn alle Informationen waren nur in meinem Kopf", sagt Metzner. "Sie hatte nicht einmal eine Vollmacht für die Geschäftskonten."
Ein dramatischer Einzelfall? Gerade mal vier von zehn Mittelständlern haben sich überhaupt schon einmal ernsthaft Gedanken gemacht, wie eine Nachfolgeregelung aussehen könnte. Und nur jeder Dritte verfügt über einen Notfallplan, der Abläufe regelt, wenn die Firma ohne Führung dasteht. "Die mangelnde Notfallvorsorge ist ein psychologisches Problem. Viele scheuen einfach die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod", erklärt Lutz Mackebrandt, Vorstandsvorsitzender der Berliner CMS Societät für Unternehmensberatung. Aber ohne entsprechende Vorbereitungen stehen im Notfall alle Räder still: Weder Rechnungen noch Gehälter können bezahlt, Bestellungen, Angebote und Aufträge nicht bearbeitet werden. An Akquise ist erst gar nicht zu denken. Simple Lösungen für das Problem scheitern meist an juristischen Fallstricken. Dabei lässt sich das Unternehmen mit der richtigen Strategie und einigen praktischen Schritten wirksam schützen.
Angelegenheit der Familie
Im Notfall übernimmt der Ehepartner die Führung der Firma? Was sich viele als einfache Lösung ausmalen, funktioniert in der Realität nur selten. Metzners Ehefrau Inge nahm die Herausforderung an. Die selbständige Steuerberaterin setzte sich mit den Mitarbeitern zusammen, arbeitete sich in die Materie ein. Daneben managte sie noch ihre eigene Steuerberaterkanzlei, versorgte die beiden halbwüchsigen Kinder und bangte um das Leben ihres Mannes. Dann kam der Chef wieder zurück - und es wurde noch schwieriger. "Das Schlimmste war, dass ich wollte, aber nicht mehr konnte", so Reinhold Metzner. "Ich war den Belastungen physisch und psychisch nicht gewachsen." Die anstrengenden Launen des überforderten Firmenchefs stießen anfangs auf Verständnis, doch irgendwann riss den Angestellten der Geduldsfaden. Einer der besten Mitarbeiter kündigte. Inge Metzner allerdings behielt einen klaren Kopf, organisierte ihrem Mann einen Platz in einer Therapieeinrichtung, kümmerte sich um die Belegschaft. Inzwischen sind die Wogen geglättet, der Senior wieder fit, und die Geschäfte laufen.
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