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27.04.2011

Online-Shop: Zalando.de auf Erfolgskurs

Von: Ulf Brychcy
Zalando-Gründer Robert Gentz
Zoom Zalando-Gründer Robert Gentz
© Amin Akhtar/laif
Zalando hat den Onlinehandel von Schuhen in Deutschland salonfähig gemacht. Dafür pumpt das Startup Unsummen in Logistik und Marketing. Beim US-Vorbild Zappos hat es schließlich auch geklappt: Die Gründer verkauften ihre Firma für 1 Mrd. Dollar.

Wohl und Wehe liegen bisweilen dicht beisammen. Bei Schuhen etwa. Die Werbespots, in denen junge Frauen spitz aufschreien, wenn sie Pumps oder Stiefel per Paket erhalten, haben Zalando nach oben katapultiert. Die Bestellungen kennen nur eine Richtung - steil himmelwärts. "Schrei vor Glück", so der Slogan des Online-Schuhverkäufers. Aber auch: "Schick zurück." Was dann weniger schön ist für die Versandfirma.

Zalando hat den deutschen Schuhhandel aufgerollt. Das räumen sogar große Filialisten wie Deichmann und Görtz ein. Innerhalb von nur zweieinhalb Jahren ist es den Gründern Robert Gentz und David Schneider gelungen, ihre Berliner Firma als führenden Schuhverkäufer im Internet zu etablieren. Das Potenzial ist groß, der hiesige Schuhfachhandel hat 2010 insgesamt knapp 8 Mrd. Euro umgesetzt. Zalando greift sich immer größere Marktanteile - und wird dadurch arg strapaziert.

"Die haben horrend investiert und schreiben tiefrote Zahlen", behauptet ein Konkurrent. "Wir wollen ein europäischer Fashionanbieter werden", sagt ein Firmensprecher. Viel mehr lässt er sich nicht entlocken, das Unternehmen mit seinen derzeit mehr als 150 Mitarbeitern gibt sich verschwiegen. Dass der Umsatz von Zalando laut Branchenkreisen im vergangenen Jahr bei 50 bis 70 Mio. Euro gelegen haben dürfte, dass dabei zugleich ein satter zweistelliger Millionenverlust aufgelaufen sei - kein Kommentar. Fragen nach den Investoren und nach den immer neuen Finanzierungsrunden blockt der Unternehmenssprecher ebenfalls ab.

Dabei ist es kein Geheimnis, dass hinter Zalando zumeist kapitalkräftige Eigner stehen: Mehrheitlich die drei Samwer-Brüder, die mit Beteiligungen wie dem Klingeltonanbieter Jamba reich geworden sind. Dann die Venture-Tochter des Holtzbrinck-Verlags, der Einzelhandelsriese Tengelmann, die Beteiligungsfirma Kinnevik sowie die beiden Unternehmensgründer Gentz und Schneider.

Schon wird in der Branche spekuliert, wie lange Zalando seine ambitionierte Wachstumsstrategie durchhalten kann, unter der vor allem kleine Schuhhändler leiden, die ihre ohnehin schmale Angebotspalette nicht schnell genug auffrischen. Rund 20.000 verschiedene Schuhmodelle in unterschiedlichen Farben und Größen, 500 Marken, 12.000 Modeartikel, Kosmetika - all das preist der Onlineversender derzeit an. All das verlangt auch einen hohen Kapitalaufwand, da der gesamte Wareneinkauf vorfinanziert werden muss. Hinzu kommt ein eigenes großes Warenlager in der Nähe von Berlin sowie die Expansion nach Österreich, Frankreich oder Italien. Das verschlingt ebenfalls viel Geld. Zumal bereits das Alltagsgeschäft im Versandhandel voller Tücken stecken kann. Zwar gilt es als unstrittig, dass die Berliner den Internetverkauf von Halbschuhen, Sandalen und Sneakern mit ihrem Webauftritt und den witzigen Werbespots so richtig populär gemacht haben. "Zalando trägt maßgeblich dazu bei, dass sich der Onlinemarkt für Schuhe so prächtig entwickelt", sagt Stephanie Caspar, Geschäftsführerin des Konkurrenten Mirapodo, der zur Otto-Gruppe gehört. Der Einsatz dafür ist hoch. So bietet Zalando kostenlosen Versand und wirbt damit, dass die Kunden ihre Schuhmodelle doch gleich in unterschiedlichen Größen und Farben anfordern sollen. Was nicht gefällt, kann umstandslos und, so will es das Gesetz, kostenfrei zurückgeschickt werden. "Viele Kunden bestellen zehn Paar Schuhe und senden acht Paar wieder zurück", sagt Sonja Rodenkirchen, Expertin beim E-Commerce-Center Handel.

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