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01.10.2010

Ostseewerften: Ein Schiff, vier Eigner und viele Fragezeichen

Von: Kathrin Werner
Der neue Eigentümer der in Nordic Yards umfirmierten Wadan-Werften, Witali Jussufow, will in Wismar einen eisbrechenden Spezialtanker bauen lassen
Der neue Eigentümer der in Nordic Yards umfirmierten Wadan-Werften, Witali Jussufow, will in Wismar einen eisbrechenden Spezialtanker bauen lassen
© ddp
Der junge Russe Witali Jussufow hat die Werften in Wismar und Warnemünde aus der Pleite gerettet. Was er mit ihnen vorhat, bleibt auch ein Jahr nach dem Kauf unklar. Neue Aufträge kommen nur sehr schleppend.

Die Messingtafel auf dem achten Deck glänzt noch ganz neu. "Wadan Yards Germany. Delivery 2010" steht auf ihr geschrieben. Wadan - das ist der Name eines Toten. Die Fähre, die am Samstag das Dock in Wismar verlässt und auf ihre erste große Reise geht, hat eine bewegte Geschichte hinter sich - genau wie ihre Werft.

Die "Stena Britannica" glänzt weiß-blau in der Sonne, 240 Meter ist sie lang. Bald wird sie zwischen Harwich in England und Hoek van Holland pendeln, mit 1200 Passagieren an Bord. "Wir sind stolz, dass wir sie gebaut haben", sagt Witali Jussufow. Dem 29-jährigen Russen gehört die Werft in Wismar gemeinsam mit ihrem Schwesterbetrieb in Warnemünde. Nordic Yards hat er das Schiffbaukonglomerat getauft, als er es vor gut einem Jahr gekauft hat. Damals hieß es Wadan Yards und gehörte einem anderen russischen Investor. Der Auftrag für die "Stena Britannica" stammt aber aus der Zeit vor dem Namen Wadan, als die Werft noch Aker Yards hieß. Gebaut wurde sie erst von Wadan, dann von Nordic Yards. Jussufow hat sie im Auftrag des Insolvenzverwalters fertiggestellt. Eine Fähre, eine Werft - vier Eigner in zwei Jahren.

Was kompliziert klingt, ist die Folge des dramatischen Niedergangs der einstigen Vorzeigewerft der DDR und des gesamten deutschen Schiffbaus. Aufträge gehen inzwischen nach China und Korea, die Deutschen sind vor allem bei Standardschiffen wie Containerfrachtern schlicht zu teuer, seit der Wirtschaftskrise sind sechs Werften in die Pleite gerutscht.

An Jussufow knüpfen sich nun alle Hoffnungen im strukturschwachen Norden Mecklenburg-Vorpommerns. Für 40,5 Mio. Euro hat der junge Russe mit dem fast perfekten Deutsch die Werft aus der Insolvenz gerettet. Warum, weiß niemand so recht. Und auch nicht, mit wessen Geld. Jussufow ist der Sohn des ehemaligen russischen Energieministers und Gazprom-Aufsichtsrats Igor Jussufow, seine guten Kontakte würden russische Aufträge nach Deutschland bringen, hat er versprochen, als er antrat.

Materialisiert hat sich bisher erst einer: Nordic Yards baut für rund 100 Mio. Euro einen eisbrechenden Tanker für Norilsk Nickel, den russischen Bergbaukonzern. Bis Jussufow die Banken seinerzeit überzeugt hatte, einen Kredit für den Bau zur Verfügung zu stellen, vergingen Monate. Zu undurchsichtig sei die Lage, "wenn er nicht sagt, woher das Geld kommt, geben wir keins dazu", sagt ein Banker. "Wir wissen einfach nicht, was er mit den Werften vorhat." Letztlich hat sich die staatseigene KfW-Bankengruppe dazu durchgerungen, das Schiff zu finanzieren - mit einer Staatsbürgschaft.

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