"Wir werden im August oder September unseren ersten Store in London eröffnen", sagte Jack-Wolfskin-Chef Manfred Hell Ende vergangener Woche der FTD am Rande der Branchenmesse Outdoor. Weitere "zwei oder drei Läden in London" sollen laut Hell in den folgenden Monaten folgen. Bislang betrieb der europäische Marktführer, der im Geschäftsjahr 2009 einen Umsatz von 251,4 Millionen Euro erzielte, keine Läden in Großbritannien.
Damit attackiert Jack Wolfskin den kalifornischen Konkurrenten auf einem seiner wichtigsten Märkte. Neben den USA setzt die Tochter des US-Textilkonzerns VF derzeit nirgends mehr um als in Großbritannien. Regionale Zahlen für einzelne Marken veröffentlicht der börsennotierte VF-Konzern nicht. Weltweit setzte The North Face 2009 etwa 1,3 Milliarden Dollar um.

Seinerseits plant The North Face eine Expansion in Deutschland, wo Jack Wolfskin noch immer einen Großteil seiner Umsätze macht. Erst vor wenigen Wochen eröffnete das US-Unternehmen einen neuen Flagshipstore in Berlin. Am Rande der Eröffnung sagte North-Face-Europachef Timo Schmidt-Eisenhart der FTD: "Deutschland soll mittelfristig unser größter Markt in Europa werden."
Der Outdoormarkt in Europa wächst kontinuierlich und wird aktuell vom Branchenverband European Outdoor Group (EOG) auf rund 6 Milliarden Euro geschätzt. Anders als die Textil- und Sportbranche wird das Geschäft in diesem Segment bis heute noch von vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen bestimmt. Jack Wolfskin und The North Face sind zwei seltene Beispiele für Unternehmen, die sich gleich in mehreren Ländern eine starke Position erkämpft haben.
Marktteilnehmer erwarten eine Konsolidierungswelle. Erst vergangene Woche hatte der japanische Turnschuhhersteller Asics angekündigt, die schwedische Outdoor-Marke Haglöfs für umgerechnet 106 Millionen Euro zu übernehmen - mit dem 15-Fachen des operativen Gewinns (Ebitda) ein hoher Preis.
Im Geschäftsjahr 2009, das bei Jack Wolfskin Ende September endet, hat sich das Wachstumstempo der Marke mit der Wolfstatze etwas verringert. "Wir gehen davon aus, dass wir den Umsatz im aktuellen Geschäftsjahr um etwa 15 Prozent steigern und erwarten für das nächste einen ähnlichen Wert", so Hell. Im Vorjahreszeitraum hatten die Erlöse noch um 22 Prozent zugelegt. Jack Wolfskin hätte angesichts der Wirtschaftskrise konservativ disponiert und sei deswegen teilweise früh ausverkauft gewesen, begründete Hell die etwas schwächere Zahl.
Sorgen macht der Branche derzeit die Kostenentwicklung. Höhere Löhne in Asien sowie gestiegene Material- und Transportkosten würden Preiserhöhungen von bis zu 20 Prozent nötig machen, glaubt EOG-Verbandschef Mark Held: "Bislang haben viele Unternehmen die Kostenexplosion selbst getragen, doch das kann nicht ewig so weitergehen. Wir rechnen deshalb mit substanziellen Preiserhöhungen."
Ebenso beschäftigen die jüngsten Medienberichte über fragwürdige Arbeitsbedingungen, unter denen mancher Hersteller in Asien fertigen lassen soll, die Branche. Auch wenn Held die Anschuldigungen als "nicht stichhaltig und schlampig recherchiert" bezeichnet, fühlen sich die Hersteller davon unter Druck gesetzt. So hat der deutsche Hersteller Vaude, der stark auf ein ökologisches Image setzt, nun beschlossen, noch in diesem Jahr der Fair-Wear-Initiative beizutreten, die sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Asien einsetzt. Hell, der mit Jack Wolfskin bereits im vergangenen Jahr einen Aufnahmeantrag bei Fair Wear gestellt hat und seit Ende Juni auch Mitglied ist, glaubt dass die Outdoorbranche sehr schnell auf die Kritik der Medien reagieren wird: "Ich denke dass sehr viele Unternehmen, sehr bald ähnlichen Initiativen beitreten werden."
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