Das Unternehmen schloss mit 17 Banken einen Kreditvertrag über 2,6 Milliarden Euro, der bis Ende 2013 laufen soll. Eine Anleihe und eine Kapitalerhöhung bringen weitere 1 Milliarden Euro. Außerdem zahlen die Eigentümer des Konzerns 410 Millionen Euro Schulden an Phoenix zurück. Das Unternehmen gehört der Familie des verstorbenen Milliardärs Adolf Merckle, die lange Zeit in großer Geldnot war.
Durch die mit Spannung erwartete Refinanzierung wendet Phoenix eine Zerschlagung oder auch einen Komplettverkauf ab. Eineinhalb Jahre spekulierten Branchenbeobachter, wer Interesse an dem Mannheimer Unternehmen haben könnte. Im Fokus standen dabei US-Konzerne, da eine Fusion zwischen europäischen Pharmahändlern aus wettbewerbsrechtlichen Gründen unwahrscheinlich ist.

Nach Ansicht von Beobachtern würden sich mögliche Bieter nun auf andere Ziele konzentrieren. "Das Spiel geht weiter", sagte ein Analyst. Als ein Kandidat, für den sich ausländische Wettbewerber interessieren könnten, gilt der Stuttgarter Pharmahändler Celesio. Dass Investoren daran glauben, zeigte sich vor drei Wochen: Die DZ Bank legte in einer Studie nahe, dass sich die Übernahmefantasie auf Celesio konzentrieren könnte, wenn Phoenix bei Merckle bleibt. Noch am selben Tag stieg die Aktie von Celesio um mehr als vier Prozent.
Das Verhältnis zwischen Celesio und seinem Mutterkonzern Haniel gilt als gespannt, da das Apothekengeschäft der Stuttgarter derzeit nicht gut läuft. Ein Interessent für Celesio könnte der amerikanische Gesundheitsdienstleister Medco sein, aber auch der weltgrößte US-Pharmahändler McKesson wurde bereits genannt.
Medco sucht seit Längerem Möglichkeiten, um in den deutschen Markt einzusteigen. Dies gelang zunächst indirekt durch den Kauf der niederländischen Versandapotheke Europa Apotheek Venlo. Vor wenigen Wochen dann hatte Medco ein Joint Venture mit Celesio bekannt gegeben. Dabei sollen auch die Versandapotheken der Muttergesellschaften, DocMorris und Europa Apotheek, zusammenarbeiten, die damit eine marktbeherrschende Stellung hätten.
Die anderen deutschen Großhändler dürften als Übernahmeziele weniger infrage kommen. Noweda und Sanacorp sind als Apothekergenossenschaften organisiert. Hinzu kommt, dass sie als vergleichsweise kleine und eher national orientierte Unternehmen kaum interessant sind. Letzteres gilt auch für den Phoenix-Wettbewerber Anzag.
Deren Vorstandschef Thomas Trümper glaubt ohnehin nicht, dass sich viel ändern wird. "Der Pharmagroßhandel ist für Investoren relativ schwierig", so Trümper. In der Branche sei man erleichtert, dass vorerst kein Außenstehender im Markt mitmische. Aktuell gibt es drei große europaweit agierende Pharmagroßhändler: Phoenix und Celesio aus Deutschland sowie den britischen Grossisten Alliance Boots.
Phoenix ist nicht börsennotiert und veröffentlicht deshalb kaum Geschäftszahlen. Der Umsatz liegt bei 21 Milliarden Euro, die Beschäftigtenzahl bei 23.000. Der Pharmahändler weist eine komplizierte Gesellschaftsstruktur auf, da Gründer Adolf Merckle ihn aus mehreren Firmen zusammengesetzt hat. Dem Vernehmen nach soll Phoenix mit etwa 4 Milliarden Euro verschuldet sein.
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