Empfehlen Facebook Twitter XING Als E-Mail verschicken Drucken
11.08.2010

Pharmaindustrie: Teva trennt sich von Ratiopharm-Chef

Von: Fischer Heimo , Smolka Klaus Max
Oliver Windholz
Zoom Oliver Windholz
© FTD/Rolf Schultes
Die Übernahme des Pharmaherstellers durch den israelischen Konzern war absehbar. Doch jetzt baut Teva die Konzernspitze in Ulm um und besetzt sie mit Leuten aus den eigenen Reihen.

Der bisherige Chef Oliver Windholz verlässt Ratiopharm Ende dieses Jahres. Sein Nachfolger wird der aktuelle Deutschlandchef von Teva und frühere McKinsey-Berater Sven Dethlefs. Der 41-Jährige soll zudem den Vertrieb in Deutschland für den gemeinsamen Konzern verantworten. Produktionschef Walter Bühl behält seinen Posten ebenso wie Entwicklungschef Gerald Huber. Ihre Bereiche werden allerdings genauso wie die biopharmazeutischen Aktivitäten in die weltweite Hierarchie von Teva eingebunden.

Ratiopharm war das Herzstück der Gruppe des verstorbenen Milliardärs Adolf Merckle, die sich nach Fehlspekulationen von dem Unternehmen trennen musste. Am Dienstag wurde der Verkauf an Teva für 3,6 Milliarden Euro offiziell abgeschlossen. Das Geld soll noch diese Woche fließen. Dann kann die Familie ihre Schulden fast komplett abzahlen.

Windholz scheide "im gegenseitigen Einvernehmen" aus, hieß es bei Ratiopharm. Merckle hatte den heute 43-Jährigen 2008 mit der Führung des Unternehmens betraut. Windholz arbeitete zuvor bei Heidelcement. Der Baustoffkonzern war damals ebenfalls in Merckles Besitz. Windholz, so wird spekuliert, könnte nun dorthin zurückkehren.

Er ist ein Wegbegleiter von Heidelcement-Chef Bernd Scheifele. Möglich sei aber auch, dass er zum Pharmagroßhändler Phoenix gehe, hieß es. Das Mannheimer Unternehmen gehört noch immer zur Merckle-Gruppe. Neben Windholz verlässt auch Finanzchefin Susanne Frieß Ratiopharm. Sie gilt als Schöpferin der komplexen Firmenstruktur der Merckle-Gruppe und wird künftig weiter für die Familienholding VEM arbeiten.

Teva verspricht sich durch Ratiopharm Einsparungen von mindestens 400 Millionen Euro, die in drei Jahren erzielt werden sollen. Der israelische Konzern will seine Deutschlandzentrale von Radebeul bei Dresden nach Ulm verlegen. Die Europazentrale wird allerdings im niederländischen Utrecht bleiben. Damit konterkariert Teva den im Bieterprozess erweckten Eindruck, wonach der Standort Ulm gute Chancen habe, dass ihm diese führende Rolle zufalle. Damit hatte sich Teva gegen die mitbietende Konkurrenz abheben wollen.

Auffälligerweise sickerte das Detail aus einer Präsentation zum Übernahmekonzept durch, die das Unternehmen in der späten Phase des Prozesses vor Führungskräften gehalten hatte. Damals waren noch die Teva-Rivalen Pfizer und Actavis im Rennen, die sich ebenfalls für Ratiopharm interessierten. Teva beschäftige in seiner Europazentrale rund 50 Mitarbeiter, heißt es. Marketing und Vertrieb sollen weiter von dort aus gesteuert werden. Einige Teilbereiche wie die IT werden in Ulm zentralisiert.

© 2010 ftd.de

Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird n. veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews