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13.07.2010

Plan B: Wenn die Produktion stillsteht

Von: Anne-Christin Gröger
Eine Aschewolken über Europa hatte Zeitweise den Luftverkehr schwer behindert
Zoom Eine Aschewolken über Europa hatte Zeitweise den Luftverkehr schwer behindert
Bleibt der Nachschub an Fertigungsteilen aus, müssen Firmen einen Notfallplan haben. Die Assekuranz schützt Herstellung und Transport aber nicht vor allen Gefahren - zum Beispiel Kriegen, Terrorismus oder Vulkanausbrüchen.

Es sah aus, als würde es eng werden. Der Elektrohersteller aus Bayern wartete tagelang auf eine Zustellung von seinem Lieferanten aus Nepal. Dort waren wegen politischer Unruhen die Grenzen dicht. Waren kamen weder ins Land hinein noch hinaus. Doch das Unternehmen brauchte die speziellen Schraubenmuttern, die ein Vorlieferant in Nepal herstellte, um weiter produzieren zu können. Keiner wusste, wie lang die Blockade dauern würde. Die Bayern hatten Glück. Nach wenigen Tagen wurden die Grenzen wieder geöffnet. Diese Zeit konnte die Firma mit Lagerbeständen überbrücken.

Ist ein Unternehmen davon abhängig, dass Einzelteile für die Produktion pünktlich geliefert werden, können ausgefallene Warensendungen Millionenschäden verursachen. Störungen, die durch den Betriebsausfall wegen Bränden oder Hochwasser entstehen, sichert die Assekuranz zwar mit sogenannten Betriebsunterbrechungspolicen ab. Stockt die Produktion aber wegen politischer Unruhen oder wie kürzlich wegen der Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island, übernimmt kein Versicherer die Kosten.

Der Vulkanausbruch mit den unversicherbaren Folgen

Das war jedenfalls bis jetzt so. Der jüngste Vulkanausbruch und die nachfolgende Schließung des Luftraums haben bei Industrie und Assekuranz eine Debatte darüber ausgelöst, wie Lieferkettenunterbrechungen ohne vorherigen Sachschaden abgesichert werden können. "Eine solche Deckung ist interessant, wenn der Risikotransfer wirtschaftlich sinnvoll ist", sagt Jörg Henne, Risikomanager bei Epcos, einem Hersteller von elektronischen Bauelementen. "Der Aufwand für einen Abschluss etwa durch Risikoprüfungen darf für Unternehmen nicht zu hoch sein."

Einzelne Anbieter haben sich hervorgewagt und wollen das Angebot an die Kunden bringen. Bei der Zurich ist Deckung gegen Lieferkettenunterbrechung nach eigenen Angaben bereits möglich. Dafür müssen sich Unternehmen auf eine umfassende Prüfung der Risikosituation einstellen. Dann versuchen Experten, die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls zu berechnen.

Risikominimierung ab zwei Prozent der versicherten Summe

Maßnahmen zur Risikominimierung wirken sich dabei positiv auf die Kalkulation aus. Fällt ein Zulieferer für mehrere Tage aus, zahlt die Zurich eine vorher festgelegte Summe. "Die Kosten für eine Police liegen zwischen zwei und vier Prozent der versicherten Summe", sagt Christoph Willi, der für das Industrieversicherungsgeschäft in Deutschland verantwortlich ist. Ausgeschlossen sind Krieg, Terrorismus oder nukleare Bedrohung.

Die Aschewolke hat das Problem ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Einige Unternehmen interessieren sich verstärkt für das Angebot, sind aber beim Abschluss zurückhaltend. "Wir hatten in den vergangenen Wochen über 100 Gespräche mit Interessenten in ganz Europa", sagt Willi.

Nur ein Unternehmen hat aber bislang eine Police abgeschlossen. Auch die Allianz-Tochter AGCS arbeitet an einer Lösung. "Wir sind in Gesprächen mit Kunden", sagt Richard Manson von AGCS. "Derzeit bieten wir aber noch kein Produkt an."

Risiken entlang der Lieferketten kennen

Selbst wenn das Risiko irgendwann in großem Stil versicherbar sein sollte, bleibt die Vorbeugung den Unternehmen überlassen. "Firmen müssen die Risiken entlang der Lieferkette kennen und genau analysieren", sagt Jochen Körner vom Makler Marsh. Politische Risiken wie Streiks sind ebenso wichtig wie unvorhergesehene Ereignisse - wie im Fall eines Elektronikkonzerns:

Er hatte lange vor Weihnachten in Großbritannien seine neue Spielkonsole angekündigt. Viele Briten hatten sie vorbestellt. Doch kurz vor dem Fest konnte der Konzern das Spielzeug nicht liefern, weil ein quer stehender Tanker den Sueskanal blockierte und die Container mit den begehrten Konsolen nicht per Schiff von Fernost nach Europa kamen. Die Risikomanager mussten reagieren: Sie organisierten den Transport per Flugzeug. Er kam rechtzeitig an.

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Quelle: ftd.de
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