16.04.2010

Private Krankenversicherung: Kritik der Kunden nimmt zu

Von: Anja Krüger
Viele Versicherte streiten sich mit der PKV darüber, ob eine Behandlung medizinisch notwendig ist
Zoom Viele Versicherte streiten sich mit der PKV darüber, ob eine Behandlung medizinisch notwendig ist
© dpa
Beim Ombudsmann für die private Kranken- und Pflegeversicherung gehen immer mehr Beschwerden ein. Allerdings hatten im vergangenen Jahr weniger Versicherte mit ihrem Anliegen Erfolg als 2008.

Im Jahr 2009 stieg die Zahl der Eingaben verärgerter Kunden beim Ombudsmann für die private Kranken- und Pflegeversicherung (PKV) um rund 15 Prozent auf 5015. Aufgrund von Hochrechnungen auf Grundlage der Eingänge in den ersten drei Monaten 2010 sei auch in diesem Jahr mit einer weiteren Zunahme der Beschwerden zu rechnen, berichtete Ombudsmann Helmut Müller, der ehemalige Präsident des Bundesaufsichtsamts für das Versicherungswesen, bei einer Tagung des Bundes der Versicherten in Timmendorfer Strand.

Die PKV-Branche hat einen eigenen Schiedsmann. Um die Kundenbeschwerden in den übrigen Versicherungszweigen kümmert sich der Versicherungsombudsmann Günter Hirsch. Beide Schiedspersonen werden von den jeweiligen Versicherungsunternehmen finanziert.

Ende 2009 waren 8,8 Millionen Menschen in der PKV vollversichert. Darüber hinaus hatten gesetzlich Versicherte 16 Millionen private Zusatverträge abgeschlossen. Die Kunden können sich an den PKV-Ombudsmann wenden, wenn sie sich vom Anbieter ungerecht behandelt fühlen, etwa bei der Verweigerung von Kostenübernahmen oder Beitragserhöhungen. Im vergangenen Jahr sank aber die Zahl der erfolgreichen Beschwerden von 29,3 Prozent auf rund 25 Prozent. "Man kann nun darüber spekulieren, warum das so ist. Wir wissen es aber nicht, und deshalb beteiligen wir uns auch nicht an den Versuchen, das zu erklären", sagte Müller.

Von den Beschwerden im vergangenen Jahr beziehen sich 83 Prozent auf die Krankenkostenvollversicherung, zehn Prozent auf die Krankenhaustagegeldversicherung und Zusatzversicherungen, fünf Prozent auf die Krankentagegeldversicherung und der Rest auf die Auslandskranken- und Pflegeversicherung. "Innerhalb der Vollversicherung entfallen 22,8 Prozent auf Streitigkeiten über das Vorliegen der medizinischen Notwendigkeit der Behandlung", berichtete Müller. 13,9 Prozent betreffen Gebührenstreitigkeiten und 10,4 Prozent die Auslegung der Allgemeinen Versicherungsbedingungen. Bei 9,3 Prozent geht es um die Frage der Beendigung von Verträgen und bei 8,2 Prozent um Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. "Erstaunlicherweise sind die Beschwerden über Beitragsanpassungen von 10,8 Prozent im Jahr 2008 auf 8,2 Prozent zurückgegangen", sagte er. "Hier könnte sich das Bild 2010 wieder ändern." Viele private Krankenversicherer haben in den vergangenen Monaten die Prämien angehoben.

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