Empfehlen Facebook Twitter XING Als E-Mail verschicken Drucken
26.08.2010

Prozessbeginn: Wie sich Möbelkönig Schieder verhedderte

Von: Gregor Kessler
Schieder-Gründer Rolf Demuth steht in Detmold vor Gericht
Zoom Schieder-Gründer Rolf Demuth steht in Detmold vor Gericht
© dpa
Hinter Europas größtem Möbelhersteller Schieder steckte ein undurchschaubares Firmengeflecht. Drei Jahre nach dem Insolvenzantrag muss sich Gründer Rolf Demuth ab heute vor Gericht verantworten - wegen Betrugs.

Um das Ausmaß der Pleite zu begreifen, muss man in der Kanzlei White & Case anrufen und nach dem Stand der Dinge in Sachen Schieder fragen. Dann schickt der Sachberater der zahlreichen Insolvenzverfahren ein mitleidiges Lachen durch die Leitung und bittet um eine schriftliche Anfrage. Die Sache sei leider viel zu komplex, um sie am Telefon zu beantworten. Antwort bis Redaktionsschluss? "Ausgeschlossen!"

Drei Jahre ist es her, dass White & Case-Anwalt Sven-Holger Undritz zum Insolvenzverwalter der Mehrzahl der Schieder-Fälle geworden ist. Es sieht alles danach aus, als ob er diesen Job auch noch eine Weile behalten wird.

Schieder-Gründer Rolf Demuth, der sich ab heute wegen schweren Betrugs und Bilanzbetrugs vor dem Landgericht Detmold verantworten muss, hatte ein komplexes Geflecht aus über 100 Gesellschaften geknüpft. Irgendwann stolperte das Unternehmen selbst darüber. "Schieder hat sich verheddert", erklärte Undritz schon 2008 die Pleite. Am Ende sei die Gruppenstruktur so kompliziert gewesen, "dass das Schiff einfach nicht mehr zu steuern war". Bis heute sind noch nicht alle Knoten gelöst worden.

Als erfolgreicher Entwirrer hat sich bislang der potenzielle Karstadt-Retter Nicolas Berggruen erwiesen. Die Holding des deutsch-amerikanischen Investors übernahm im Herbst 2007 mit IMS den wesentlichen Teil von Schieders Auslandstöchtern. Mit rund 3500 Mitarbeitern stellte IMS etwa ein Drittel der zu Spitzenzeiten etwa 11.000 Schieder-Angestellten. Seither seien weder Leute entlassen noch Werke geschlossen worden, heißt es aus der IMS-Zentrale in Bendern in Liechtenstein.

Als weniger beständig, so ein Berggruen-Sprecher, erwiesen sich die IMS-Abläufe: "Organisatorisch wurde alles auf den Prüfstand gestellt." Die Unternehmensstrukturen seien doch arg krude gewesen. IMS erzielt nach eigenen Angaben derzeit einen Umsatz von 230 Mio. Euro. Zum Gewinn äußert sich das Unternehmen nicht.

Mehr auf Seite 2: Noch ein Entwirrer »
Seite   1 | 2 | 

© 2010 ftd.de

Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird n. veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews