Der Nachfrageboom im Ausland verschafft Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief glänzende Aussichten. Die Orderbücher sind so prall wie nie zuvor, 2010 winkt ein Rekordgewinn. Wegen florierender Geschäfte in Asien und Australien erwartet das Unternehmen mittlerweile mehr Neubestellungen als bislang. Rückgänge verbuchte Hochtief nur im deutschen Heimatmarkt, der aber für den Konzern immer mehr an Bedeutung verliert. An der Börse stürzten sich die Anleger am Montag auf die Hochtief-Aktie. Deren Kurs schoss um bis zu mehr als sechs Prozent in die Höhe.
Wie andere Bau- und Infrastrukturkonzerne profitieren die Essener von den milliardenschweren Konjunkturprogrammen, mit denen Regierungen rund um den Globus in der Krise die Wirtschaft angekurbelt hatten. Vielerorts laufen sie nun aber langsam aus. "Unsere Pipeline zum Markt ist intakt", stellte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter fest. Alle Unternehmensbereiche arbeiteten profitabel.
Im zweiten Quartal verdoppelte sich der Ordereingang nahezu auf 9,47 Mrd. Euro (Vorjahreszeitraum: 5,7). Der Auftragsbestand sprang erstmals über die Marke von 40 Mrd. Euro und erreichte den Rekordwert von 42,5 Mrd. Euro. Der Konzern ist damit rein rechnerisch für die kommenden zwei Jahre ausgelastet. Der Quartalsgewinn kletterte auf 54,1 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 47,7). Mit den Zahlen lag der Baukonzern teils deutlich über den Erwartungen von Analysten.
Glanzstück von Hochtief ist derzeit die australische Tochter Leighton, die im wichtigen Asien-Geschäft neue Großaufträge etwa für Straßen und Bahnstrecken sowie Minenprojekte einheimste. Das setzte sich im dritten Quartal fort. In Australien baut die Leighton-Tochter Thiess als Teil eines Konsortiums einen Autobahnabschnitt. Das Auftragsvolumen liegt bei knapp 580 Mio. Euro, der Löwenanteil entfällt Branchenkreisen zufolge auf Thiess.
Insgesamt konnte Hochtief im zweiten Quartal Großprojekte in einem Volumen von rund 5 Mrd. Euro in die Bücher nehmen. In Deutschland ging der Auftragseingang allerdings um 4,7 Prozent zurück. Lütkestratkötter wählt hier - wie Konkurrent Bilfinger Berger - Projekte genau aus, nachdem explodierende Kosten Hochtief in der Vergangenheit die Ergebnisse im europäischen Baugeschäft verhagelt hatten. Die Konzentration auf profitable Bauten zahlt sich aus: Vor Steuern verdiente die Sparte nun 7,7 Mio. Euro, deutlich mehr als vor Jahresfrist.
Für Unsicherheit sorgt allerdings die Entwicklung im schuldengeplagten Griechenland aufgrund des Sparkurses der Regierung. Der Konzern hält dort Anteile am Flughafen Athen und betreibt Mautstraßen, die in der Sparte Concessions gebündelt sind.
Für das Gesamtjahr 2010 geht der Vorstand davon aus, dass Auftragseingang und -bestand über den Zahlen von 2009 liegen werden - bislang waren sie leicht darunter erwartet worden. Der Gewinn soll die Rekordwerte von 2009 unverändert leicht übertreffen. Im kommenden Jahr will Lütkestratkötter Hochtief schlanker und schlagkräftiger machen. Drei Zweige, darunter der europäische mit dem deutschen Baugeschäft, sollen in einer Division zusammengefasst werden.
Quelle: ftd.de
© 2010 reuters
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