An einem kalten Morgen Ende Februar, die Bürgersteige waren noch mit einer hartnäckigen Eisschicht bedeckt, trafen sich mehrere Hundert Männer im feinen Hamburger Hotel Grand Elysée. Sie trugen Anzüge in gedeckten Farben, der Schlips saß akkurat, die Herren waren alle ziemlich still und niedergeschlagen.
Man kannte sich, man litt miteinander - es war eine Schicksalsgemeinschaft, die beim weltweit wichtigsten Branchentreff, der Marine Money Conference, zusammenkam: Reeder, Banker, Schiffsversicherer, Werft- und Hafenmanager aus aller Welt. Sie bilanzierten ein absolutes Horrorjahr mit insgesamt fast 20 Milliarden Dollar Verlust. Bevor der erste Redner seinen skeptischen Ausblick gab, spielte Musik auf. "Zum Aufmuntern, damit Sie nicht alle so traurig sind", begrüßte der Konferenzvorsitzende Christian von Oldershausen die Teilnehmer. Alle waren sich einig, dass 2010 noch einmal richtig schlimm werden würde.

Keine sechs Monate liegt die gespenstische Szene zurück, doch es scheinen Jahre seitdem vergangen. Die eisige Stimmung ist sommerlicher Leichtigkeit gewichen, wozu nicht nur die Temperaturen beigetragen haben. "Es ist nicht lange her, da habe ich gestandene Männer weinen sehen", sagt ein Manager aus der Hafenwirtschaft. "Jetzt sind die dunklen Augenränder verschwunden."
Die Branche brummt, als wäre nichts gewesen. So schnell, wie Welthandel und Schifffahrt im Post-Lehman-Schock zum Erliegen kamen, so schnell ging es wieder rauf.
Täglich prasseln neue Erfolgsmeldungen herein: Um ein Fünftel stieg der Containerumschlag an den 25 größten Häfen im ersten Halbjahr - das Rekordjahr 2008 ist damit in Greifweite. Dank des Chinabooms beförderte der Logistiker Kühne + Nagel in diesem Zeitraum so viele Waren auf dem Seeweg wie nie zuvor. Von den einst 600 stillgelegten Schiffen stehen bis auf 150 kleine und mittelgroße die meisten wieder unter Dampf.
© 2010 ftd.de
Ihre Meinung
Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück




















