Die deutsche Wirtschaft legt nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums deutlich an Fahrt zu. Im zweiten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) "wesentlich stärker" zugenommen haben als im ersten Vierteljahr, heißt es im Juli-Monatsbericht des Ministeriums. Im ersten Quartal war das BIP nur um 0,2 Prozent gewachsen. Für das zweite Quartal erwarten von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten im Schnitt ein Plus von einem Prozent zum Vorquartal.
Das Ministerium führt die Wachstumsbeschleunigung zum einen auf Nachholeffekte im Bau zurück, nachdem die kalten Temperaturen den Sektor im Winter gedämpft hatten. Zum anderen habe sich die Industriedynamik deutlich erhöht. "Damit dürften vom Produzierenden Gewerbe deutlich positive Impulse auf das BIP im zweiten Quartal ausgegangen sein", schrieben die Beamten. Die Ausweitung der Herstellung von Investitionsgütern und die zunehmende Kapazitätsauslastung signalisierten, das die Investitionen einen positiven Beitrag geleistet haben dürften.
Privater Konsum bleibt schwach
"Der Konsum der privaten Haushalte dürfte jedoch trotz der Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt und einer moderaten Preisentwicklung auch im zweiten Quartal schwach geblieben sein", heißt es in dem Bericht weiter. Darauf deuteten neben rückläufigen Einzelhandelsumsätzen auch nahezu stagnierende industrielle Inlandsumsatze mit Konsumgütern hin.
Für den weiteren Jahresverlauf zeigte sich das Ministerium optimistisch: "Angesichts des Aufwärtstrends der industriellen Nachfrage und der optimistischen Stimmung in den Unternehmen dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr festigen." Allerdings warnten die Beamten vor zu großen Erwartungen. Bei wichtigen Indikatoren wie Produktion und Auftragseingang der Industrie sei das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht. So habe das BIP im ersten Quartal 2010 noch gut fünf Prozent unter dem Höchststand von Anfang 2008 gelegen.
In seinen eigenen Finanzen hat der Bund den starken Einbruch der Wirtschaft im vergangenen Jahr noch nicht verarbeitet. Bund und Länder nahmen - ohne reine Gemeindesteuern - im ersten Halbjahr 0,9 Prozent weniger Steuern ein als im gleichen Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2010 wird weiter ein Rückgang von 2,6 Prozent erwartet. Dabei schnitt der Bund in den ersten sechs Monaten mit minus 4,1 Prozent deutlich schlechter ab als die Länder, was allerdings vor allem auf Sondereffekte zurückzuführen ist. Die Länder verbuchten ein Minus von 0,6 Prozent in ihren Kassen.
Im Juni flossen Bund und Ländern um 2,4 Prozent höhere Steuereinnahmen zu. Auch hier lief die Entwicklung auseinander: Der Bund verzeichnete ein Minus von 8,6 Prozent, die Länder dagegen ein Plus von vier Prozent.
Quelle: ftd.de
© 2010 reuters
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