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10.09.2010

Rohstoffboom: Der Müll ist heiß

Von: Michael Gassmann

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© ddp
Weil die Rohstoffpreise in die Höhe klettern, wird auch der verwertbare Abfall in den Tonnen immer kostbarer. Die Kommunen konkurrieren mit privaten Firmen - und wollen einen neue Wertstofftonne einführen.

Der Müll aus Deutschlands Haushalten ist zum umkämpften Rohstoff geworden. Vor dem Hintergrund steigender Rohstoffpreise machen sich kommunale Entsorger und private Abfallfirmen den Inhalt der Tonnen mit wachsender Heftigkeit streitig. "Die Rekommunalisierung stellt ein Problem für die deutsche Rohstoffwirtschaft dar", hielt Peter Kurth, Chef des privaten Lobbyverbands BDE, den Städten und Gemeinden vor. Sie seien weder in der Lage, moderne Sortieranlagen effizient auszulasten, noch könnten sie auf internationalen Rohstoffmärkten mithalten.

Angetrieben wird die Begierde nach Weggeworfenem durch einen Boom, der praktisch alle Rohstoffe erfasst hat. Der Rohstoffpreisindex der Bundesbank lag im Juli mit 182,5 Punkten 47 Prozent höher als vor einem Jahr. Die Wiedergewinnung von Kunststoffen, Metall oder Papier aus Abfallströmen wird dadurch immer mehr zum lukrativen Geschäft. Recycling sei "die stärkste Wachstumsbranche in Deutschland", meldete der BDE. Nach einer Auftragsstudie des arbeitgebernahen Kölner IW-Instituts wuchsen die Umsätze seit 1995 jährlich um durchschnittlich 14 Prozent.

Industriestrategisch ist das erwünscht: Effizientes Recycling verringere die Nachfrage nach Primärrohstoffen wie Erz und senke die Versorgungsrisiken, erklärte die EU-Kommission erst im Juni bei der Vorlage eines Reports. In Deutschland deckte die Industrie 2009 gut 13 Prozent ihres Rohstoffbedarfs aus Recyceltem, ergab die IW-Studie. Bei Stahl erreicht die Quote 45, bei Papier 70 Prozent.

Um an die begehrten Sekundärrohstoffe zu kommen, kippen Tabus. So hatten Duale Systeme die Verbraucher seit 20 Jahren dazu erzogen, in die gelben Tonnen nur Verkaufsverpackungen wie Pizzaschachteln oder Yoghurtbecher zu werfen, alles andere galt als Fehlwurf. Bald jedoch sollen diese Müllgefäße - nunmehr umgetauft in "Wertstofftonne" - auch alte Salatschüsseln, Plastikspielzeug und ähnliches aufnehmen. Einen Versuch startet der Ex-Monopolist DSD ab dem kommenden Jahr in Dortmund.

"Die Wertstofftonne gehört nicht in private Hand", hält der Verband der kommunalen Entsorgungsunternehmen dagegen. Beide Seiten berufen sich darauf, die Kosten für die Bürger niedrig halten zu wollen. Allerdings steckt bei vielen Kommunen das Bedürfnis hinter dem Griff nach den Tonnen, defizitäre Müllverbrennungsanlagen besser auszulasten. "Mindestens die Hälfte der Anlagen in Deutschland liegt still oder hat massive Auslastungsprobleme", sagte der Chef eines Entsorgungsunternehmens.

Der Streit wird durch eine geplante Novelle zum Kreislaufwirtschaftsgesetz zusätzlich angeheizt. Derzeit liegt ein Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums vor. Das für 2011 erwartete Gesetz wird den Rahmen für die Branche auf Jahre hinaus festschreiben.

© 2010 ftd.de

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