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27.10.2010

Rohstoffe: ArcelorMittal in der Kostenfalle

Von: Kirsten Bialdiga

© shutterstock.com
Im Ringen um die Weitergabe höherer Rohstoffkosten an die Kunden hat der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal im dritten Quartal den Kürzeren gezogen und bleibt auf Erzkosten sitzen. Eine Studie verspricht kurzfristig keine Besserung auf dem Markt.

"Wir konnten die höheren Erzpreise insgesamt nicht kompensieren", sagte Vorstandschef Lakshmi Mittal gestern bei Vorlage der Quartalszahlen in einer Telefonkonferenz. Das Jahr habe sehr gut begonnen - bis es wegen des neuen Preissystems beim Eisenerz zu dramatischen Veränderungen gekommen sei. Mit 2,3 Mrd. Dollar habe der Quartalsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) am unteren Ende der eigenen Erwartungen gelegen. Im vierten Quartal rechnet Mittal wegen sinkender Stahlpreise bei steigenden Rohstoffkosten nur mit einem Quartalsgewinn zwischen 1,5 Mrd. und 1,9 Mrd. Dollar.

Die Äußerungen machen deutlich, wie schwer sich selbst der Weltmarktführer mit dem neuen Vertragsregime tut. Im Frühjahr hatten die drei großen Minenkonzerne BHP Billiton, Vale und Rio Tinto durchgesetzt, dass ihre Lieferverträge für Eisenerz nur noch eine Laufzeit von drei Monaten statt bisher einem Jahr haben. Da das Erzoligopol zugleich Preisaufschläge von zum Teil 100 Prozent und mehr verlangte, geraten nun die Margen der Stahlhersteller unter Druck. An der Börse rutschte der Kurs um fünf Prozent auf 23,78 Euro ab.

Nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey kann sich die schwierige Branchensituation erst entspannen, wenn der globale Markt für Eisenerz ähnlich transparent und liquide ist wie etwa beim Rohöl. "Bis es so weit ist, vergehen aber voraussichtlich noch mindestens zehn Jahre", sagte Lorenz Jüngling, Partner bei McKinsey und Hauptautor der Studie "Short Selling the Earth", die der Financial Times Deutschland exklusiv vorab vorliegt. Bis dahin bleibe die Marktlage unübersichtlich. Je länger diese Zwischenphase jedoch andauere, desto irrationaler werde die Situation, meint Jüngling.

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