01.04.2010

Rohstoffe: Zucker wird günstiger

Von: Tobias Bayer und Christine Mai
mportierter Rohzucker in den Händen eines Arbeiters im indischen Asmoli
Zoom mportierter Rohzucker in den Händen eines Arbeiters im indischen Asmoli
© Bloomberg
2009 verbuchte Zucker die größte Preissteigerung sämtlicher Rohstoffe. Wegen hoher Erträge in Indien und Brasilien geht es dieses Jahr rasant abwärts. Spekulanten reiben sich die Augen - und geben einen trüben Ausblick.

Zucker steht auf Quartalssicht vor dem größten Preisrückgang seit 1985. Seit Anfang Februar brachen die Notierungen um 47 Prozent ein, nachdem sie zuvor noch auf das 29-Jahreshoch von 30,4 US-Cent je Pfund (je 454 Gramm) geklettert waren. Der Trend könnte sich fortsetzen: Händler halten es für wahrscheinlich, dass der Preis bis Juli um weitere 16 Prozent einbricht. 2009 hatte sich der Preis des süßen Agrarerzeugnisses noch mehr als verdoppelt - und die größte Wertsteigerung sämtlicher Rohstoffe hingelegt. Derzeit kostet Zucker 17,23 Cent.

"Das ist ein regelrechter Preiscrash", sagte Mark Hansen, Zuckerexperte bei CPM Group. Das Unternehmen handelt Rohstoffe im Auftrag von Produzenten und Verbrauchern. "Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es irgendwann wieder einen Sprung nach oben gibt. Doch ein Preis von 27 Cent wie Ende 2009 ist auszuschließen."

Hansen prognostiziert für das Jahresende einen Preis von 13 Cent. Das entspräche einem Jahresverlust von 52 Prozent. Ähnlich pessimistisch gestimmt ist Marcelo Dorea, Partner bei Round Earth Capital: "Der Ausblick für Zucker ist in das komplette Gegenteil umgeschlagen. Investoren sollten nach solch einer Rally verkaufen."

Wetterabhängig

Der Verfall des Zuckerpreises ist ein weiterer Beleg für die großen Schwankungen an den Rohstoffmärkten. Gerade bei nachwachsenden Rohstoffen verändert sich die Angebots- und Nachfrage durch einzelne Ernten und Wetterlagen sehr rasch. "Zucker bestätigt die These, dass die Gewinner der Vergangenheit die Verlierer der Zukunft sein werden", sagte Michael Lewis, Leiter Rohstoffresearch bei der Deutschen Bank.

"Physische Käufer warten in der Erwartung weiter fallender Preise ab, bis sich die Preise stabilisiert haben. Auch wenn der Preisrückgang angesichts des nach wie vor bestehenden Marktdefizits eine Übertreibung darstellt, sollte zunächst eine Bodenbildung abgewartet werden", sagte Commerzbank-Rohstoffexperte Eugen Weinberg. "Diese dürfte bei 10 bis 15 Cent eintreten. In dieser Spanne bewegt sich der Zuckerpreis gewöhnlich, wenn der Zuckermarkt im Gleichgewicht ist."

Aussicht auf gute Ernten

Hintergrund der Preisentwicklung sind Aussichten auf größere Ernten. Indien könnte aufgrund von Regenfällen in diesem Jahr laut dem indischen Verband der Zuckerunternehmen eine Produktionssteigerung um 26 Prozent erzielen. Der Subkontinent ist der weltweit zweitgrößte Produzent und der größte Konsument von Zucker. Wie die Ernte ausfällt, hat daher großen Einfluss auf die Weltmarktpreise.

Auch Brasilien, der größte Zuckerproduzent der Welt, profitiert derzeit von günstigen Wetterbedingungen. "Ich hatte noch nie zuvor gesehen, dass die Zuckerraffinerien im Januar in Betrieb sind. Dieses Mal arbeiteten 90 Prozent an der Kapazitätsgrenze", sagte Maurilio Biagi Filho, der zweitgrößte Zuckerbauer. Antonio de Padua, technischer Direktor des Zuckerverbandes Unica, teilte am Mittwoch mit, dass das trockene Wetter den Ausstoß in der weltweit größten Anbauregion begünstigt habe.

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