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22.02.2011

Rohstoffhandel: Heißes Eisen für den Einkauf

Von: Christoph Pagel

Zoom 
Die Preise für Rohstoffe schwanken seit 2008 so stark, dass sie Betriebe gefährden. Viele wissen nicht, wie sie mit dem Risiko umgehen sollen.

Noch vor zwei Jahren war der Arbeitsalltag von Andreas Finger wenig aufregend. Finger arbeitet als Chefeinkäufer beim mittelständischen Sanitärhersteller Keuco und bestellt Metalle, aus denen das Unternehmen zum Beispiel Wasserhähne und Duscharmaturen macht. Bis vor rund anderthalb Jahren war er einfach der Rohstoffbeschaffer des Hauses. Reine Routine. Doch die Folgen der Finanzkrise haben seinen Job komplett auf den Kopf gestellt.

"Ich bin vom Beschaffer zum Risikooptimierer geworden", sagt er. "Meine Entscheidungen, zu welchem Zeitpunkt ich welches Metall einkaufe, tragen entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens bei." Finger handelt bei Keuco vor allem mit Kupfer, Aluminium, Zink und Messing. 300 bis 400 Tonnen jedes dieser Metalle kauft er im Jahr.

Doch der Einkauf wird für Unternehmen wie Keuco immer mehr zum Risiko. Schließlich macht er in vielen Betrieben rund die Hälfte der Kosten aus. Gleichzeitig fahren gerade die Metallpreise seit 2008 Achterbahn: Zwischen 2007 und 2009 schwankten die Rohstoffpreise teils um 50 Prozent. Bei Aktien waren es im Schnitt nur 25 Prozent.

Die Gründe sind vielfältig: Zum einen haben Industrieunternehmen weltweit ihre Produktion nach den Preiseinbrüchen 2008 wieder hochgefahren. Die Preise sind dadurch stark gestiegen. Zum anderen haben sich Rohstoffe ähnlich wie Währungen zum Spekulationsobjekt entwickelt. Dazu kommt der ohnehin stetig wachsende Rohstoffhunger von China, Indien oder Brasilien.

Steigende Preise können Unternehmen auf lange Sicht nicht umgehen. Aber gegen das Auf und Ab an den Märkten können sie sich absichern. Der einfachste Weg: Betriebe sparen Material ein und verringern so die Kosten. Wer effizienter produziert und das Gewicht seiner Produkte reduziert, ist auch weniger stark von schwankenden Rohstoffpreisen betroffen. Bis das jedoch funktioniert, müssen Unternehmen unter Umständen erst horrende Summen in die Forschung und Entwicklung investieren.

Wenn es schneller gehen muss, können Unternehmer auch versuchen, mit ihren Lieferanten über die Verträge zu verhandeln. Die Idee ist ebenfalls simpel: Der Einkäufer zahlt etwas mehr als den aktuellen Marktpreis - bekommt dafür aber eine längere Vertragslaufzeit. So haben beide etwas davon: Der Verkäufer profitiert vom Aufpreis. Und der Abnehmer kann mit dem vereinbarten Preis kalkulieren, selbst wenn der Markt kurz nach Vertragsschluss wieder durch die Decke geht. Wer sein Risiko so absichert, betreibt einen sogenannten natürlichen Hedge.

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