Um fünf Uhr früh ist die Nacht für Gaetano Foti zu Ende. Der 44-jährige Fiat-Händler aus Berlin muss sich für die Morgenandacht fertig machen. Um sechs Uhr wird in der Marienkapelle gebetet, um sieben gemeinsam gefrühstückt. Schweigend, versteht sich. "Das ist gar nicht so leicht für einen Autoverkäufer", erzählt Foti. "In der Branche gehört es dazu, dass man ein bisschen extrovertiert ist - aber hier ist das völlig uninteressant!"
Hier - damit meint er Huysburg, ein Benediktinerkloster in der Nähe von Halberstadt, eine Autostunde westlich von Magdeburg gelegen. Für eine Woche hat sich Foti vergangenen Herbst in dem Kloster einquartiert. Abschalten wollte er, einfach mal raus. Raus aus dem Stress im Betrieb, raus aus dem Familienalltag mit Frau und drei Kindern, raus aus dem gewohnten Umfeld. Vor gut zwei Jahren ist er mit seinem Betrieb und den zehn Mitarbeitern umgezogen, in einen Neubau im Berliner Villenviertel Zehlendorf.
Die alten Verkaufsräume baute Foti um und vermietete sie an einen anderen Autohändler. Als dann noch der neue Fiat 500 auf den Markt kam, mit seinem Retro-Design die Kunden scharenweise anlockte und das Autohaus innerhalb eines Jahres seinen Umsatz bei gleichbleibendem Personal verdoppelte, war Schluss.
Wie ein Tiger im Käfig
"Ich war einfach fertig, ich war leer", erzählt der 44-Jährige – und zog die Konsequenzen: Eine Woche im Kloster leben, ohne Fernseher, ohne Radio und ohne Telefon. "Die ersten drei Tage habe ich mich gefühlt wie ein Tiger im Käfig.
![]() Kein Stress, keine Verpflichtungen: Gaetano Foti entspannt im Kloster |
Ich musste erst mal runterkommen von meiner Geschwindigkeit." Fotis Tage sehen natürlich anders aus als im Autohaus: früh aufstehen, spazierengehen, nach dem Mittagessen lesen und über das Leben nachdenken bis zum Abendgebet.
Keine Pflichten - und vor allem keine Erwartungen. "Als Unternehmer haben Sie ja immer das Gefühl, dass Ihre Mitmenschen etwas von Ihnen erwarten, und Sie fühlen sich immer im Zwang, diese Erwartungen zu erfüllen." Das sei im Kloster völlig anders, erinnert sich der Autohändler: "Die Leute erwarten nichts von einem. Das ist eigentlich das Erholsame an der ganzen Angelegenheit."
Briefe an die Ehefrau
Und dann habe er angefangen, seiner Frau Briefe zu schreiben, erzählt er, und lacht: "Ich bin seit 22 Jahren mir meiner Frau zusammen, seit 17 Jahren sind wir verheiratet - da kommt man selten auf die Idee, seiner Frau Briefe zu schreiben!"
Später stellt er fest: Der erste Brief war völlig konfus und durcheinander, der zweite und dritte schon viel klarer, und der vierte war präzise und verständlich. "Das hat mir gezeigt, wie sich meine Gedanken in der Zeit im Kloster geordnet haben, wie ich zu den wesentlichen Dingen zurückgefunden habe und gelernt habe, das wertzuschätzen, was ich habe." Das sei eine wichtige Erkenntnis, die er aus dem Klosteraufenthalt mitgebracht habe.
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