Der Siemens-Konzern verkauft nach zehnjähriger Hängepartie seinen 49-Prozent-Anteil an die Kasseler Wegmann-Gruppe. Dahinter steht die Familiendynastie Bode, die 1999 bei Krauss-Maffei einstieg und künftig alle Anteile an dem Münchner Konzern hält. Über den Kaufpreis schwiegen beide Parteien. Dem Vernehmen nach soll er aber bei etwa 400 Mio. Euro liegen.
Mit der Einigung von Siemens und Wegmann ist der vom deutschen Konkurrenten Rheinmetall angeregte und von Bode abgelehnte Zusammenschluss von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall im Fahrzeug- und Panzerbau zunächst vom Tisch. FTD-Informationen zufolge war es zu Verkaufsgesprächen zwischen Siemens und Rheinmetall gar nicht erst gekommen, weil Wegmann Vorkaufs- und Vetorecht hatte.
KMW-Chef Frank Haun sprach von einer langfristigen Lösung. "Wir haben einen sicheren Hafen gefunden." KMW gehe gestärkt in eine Phase der Umstrukturierung der Branche bei sinkenden Rüstungsetats, zumal der Auftragsbestand bei gut 3 Mrd. Euro liege. 2009 setzte das Unternehmen 1,22 Mrd. Euro um. "In Europa wird es noch Bewegung geben. Wir werden dabei immer eine Rolle spielen", teilte Familie Bode mit. KMW halte an seiner Strategie der Kooperationen fest. Das Unternehmen macht mehr als 70 Prozent seines Geschäfts im Ausland. Die Bundesregierung begrüßte die Lösung.
Die deutsche Heeresindustrie mit den Vorzeigefirmen KMW und Rheinmetall ist die letzte große Rüstungssparte, in der Deutschland nationales Know-how hat. In der Militärluftfahrt dominiert der europäische EADS-Konzern oder Dassault aus Frankreich, am deutschen Marine-Überwasserschiffbau ist der Mittlere Osten beteiligt. Die Regierung stützt durch Milliardenaufträge für Schützenpanzer Puma oder Radpanzer Boxer KMW und Rheinmetall, die bei Großprojekten ohnehin kooperieren.
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