Das wichtigste Wort kennt Hermann Bühlbecker schon: Piernik. Mehrzahl: Pierniki. So jedenfalls wird es ausgesprochen, das mit dem Schreiben ist komplizierter. Zu Deutsch: Lebkuchen. Bühlbeckers Unternehmen Lambertz stellt her, was süß ist und nach Weihnachten schmeckt. Das Gros der rund 550 Mio. Euro Umsatz macht Lambertz in Deutschland. Weil der deutsche Markt in jedem Wortsinn gesättigt ist, träumt Bühlbecker von einer Fabrik in Russland. Die Russen haben ausreichend Pierniki-Hunger - sogar im August. "Da isst man das ganze Jahr über Lebkuchen", freut sich Bühlbecker. Russland ist perfekt. Wäre perfekt.
Trotz der erstarkenden Proteste und der Zweifel an der Demokratiefähigkeit des Landes gilt es als wichtiger Zukunftsmarkt. Allein in der ersten Jahreshälfte 2011 exportierten die Deutschen Waren im Wert von 15,8 Mrd. Euro nach Russland - fast 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Bald werden die Russen Mitglied in der Welthandelsorganisation WTO sein. Die Regierung will Importzölle senken und richtet Sonderwirtschaftszonen ein. Vor allem kleine Unternehmen sollen gefördert werden.
De facto sind es bislang aber nur die großen Konzerne, deren Geschäfte in und mit Russland boomen. Für deutsche Familienunternehmen liegt der Markt weiterhin brach. Irgendwie müsste man da hin, das ist allen klar, nur das Wie gestaltet sich schwierig.
Bislang hat Bühlbecker lediglich eine Fabrik in Polen, die zwar auch nach Russland liefert, doch es könnte mehr gehen. Viel mehr. Wäre er vor Ort, hätte er die nötigen Kontakte, könnte er die Produktion genau auf den Markt zuschneiden. Nicht so hochwertige Zutaten, dafür günstiger. Und ohne Geld für die russischen Importeure. Doch Bühlbecker ist nicht vor Ort. "In Russland bei null anfangen, auf der grünen Wiese? Das würde ich mir als Mittelständler nicht zutrauen." Polen wäre ihm damals näher gewesen, sagt Bühlbecker, was nicht nur für die Entfernung gilt.
Russland ist anders. Riesig. Größter Flächenstaat der Welt. Neun Zeitzonen! Die fremde Bürokratie furchteinflößend, erst recht die Geschichten von der Korruption. Auch wenn die russischen Politiker nicht müde werden zu erzählen, wie sehr man gegen all das ankämpfe.
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