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03.08.2010

SAP: Startschuss für Mittelstandsoffensive

Von: Ulf Brychcy
Der Haupteingang des Softwareunternehmens SAP in Walldorf bei Heidelberg
Zoom Der Haupteingang des Softwareunternehmens SAP in Walldorf bei Heidelberg
© AP
Die neue SAP-Führung will die Kundenzahl des Konzerns bis zum Jahr 2015 signifikant steigern. Dies kann aber nur mit einer Ausweitung des Massen- und Mittelstandsgeschäfts gelingen. Die Mietsoftware "Business by Design" soll dabei helfen.

Der Softwarekonzern SAP hat mit einem mehr als zweijährigen Zeitverzug nun eines seiner wichtigsten Zukunftsprodukte auf den Markt gebracht. Seit dem Wochenende gibt es die Mittelstandssoftware Business by Design in den Kernmärkten Deutschland, USA, Frankreich, Großbritannien sowie in Indien und China. Die Markteinführung war mehrfach verschoben worden, wegen technischer Probleme und aus Kostengründen.

Die neuen SAP-Vorstandschefs Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe wollen die Kundenzahl des Konzerns bis zum Jahr 2015 signifikant steigern. Dies kann aber nur mit einer Ausweitung des Massen- und Mittelstandsgeschäfts gelingen. Wichtigste Säulen dieser vor allem gegen den US-Konkurrenten Oracle gerichteten Expansionsstrategie sind die nun abgeschlossene, 5,8 Milliarden Dollar teure Übernahme des US-Datenbank- und Mobilsoftwarespezialisten Sybase sowie die selbst entwickelte Software Business by Design.

Nach Einschätzung von Analysten hat der Konzern aus Walldorf in die Entwicklung von Business by Design über mehrere Jahre insgesamt mehr als 1 Milliarden Euro investiert. Dahinter steht für SAP auch ein neues Geschäftsmodell, mit dem vor allem große Kundenkreise im Mittelstand erreicht werden sollen. Die Abnehmer greifen über das Internet auf die Anwendungen zu und zahlen dafür eine monatliche Miete. Bislang ist das klassische Softwarelizenzgeschäft der dominierende Umsatzträger von SAP, mit Konzernen als Hauptkunden.

Nach Ansicht von Helmuth Gümbel, Analyst bei Strategy Partners, wagt sich SAP mit Business by Design in derzeit kaum entwickelte Geschäftsfelder des Cloud-Computings vor. Lediglich bei der Vertriebssoftware (CRM) gebe es einen signifikanten Markt, auf dem das US-Unternehmen Salesforce eine starke Stellung besitze. Für die Walldorfer sei Business by Design daher ein folgerichtiger Schritt, da Mietsoftware für kleine und mittlere Unternehmen über das Internet sowie die externe Abspeicherung von Firmendaten ein großes Wachstumsfeld sei.

Gümbel erwartet zudem, dass SAP die neue Software als Einfallstor für weitere Geschäfte nutzen wird. "Noch ist dieses Produkt nicht geeignet für Großkunden", sagte er. Ob SAP die hohen Entwicklungskosten allein mit den Mittelstandskunden einspielen werde, sei ungewiss, sagte Gümbel.

Ursprünglich hatte sich der Konzern mit der Software mittelfristig einen Jahresumsatz von 1 Milliarden Euro versprochen. Diese Erwartungen wollte SAP-Chef Snabe zuletzt im Mai nicht bestätigen. Da es hier um regelmäßige Aboeinnahmen gehe, werde der Umsatz nur langsam steigen, sagte er. Gleichwohl erwartet Snabe einen deutlichen Gewinnbeitrag: "Wir haben die Kosten drastisch reduziert."

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