17.05.2010

SAP-Sybase-Übernahme : Wie das Smartphone Branchen verändert

Von: Martin Ottomeier und Nikolaus Hammerschmidt
Der Haupteingang des Softwareunternehmens SAP in Walldorf bei Heidelberg
Zoom Der Haupteingang des Softwareunternehmens SAP in Walldorf bei Heidelberg
© AP
Der Siegeszug leistungsfähiger Smartphones macht EDV-Abteilungen und Firmensoftware-Anbietern das Leben schwer. Ihre Systeme müssen sich öffnen, damit sie auf den verschiedensten Endgeräten funktionieren. Auch deshalb greift sich SAP für 5,8 Milliarden Dollar das US-Softwareunternehmen Sybase.

Einen ganzen Tag brauchte Christina Marole früher, um neue Waren zu kaufen. Jetzt reichen der Südafrikanerin wenige Sekunden - dank Handy. Die 65-Jährige betreibt einen Lebensmittelladen mitten in der Steppe. Um ihre Regale aufzufüllen, schloss sie bislang ihren Laden und reiste 32 Kilometer zum nächsten Großhändler.

Das ist nun vorbei. Im Rahmen eines Pilotprojekts von SAP übermittelt Marole ihre Wünsche an eine Zentrale. Dort werden die Bestellungen verschiedener kleiner Läden gebündelt und dann an die Händler geliefert. "Ich mache das jetzt einfach mit dem Mobiltelefon", sagt Marole: "Ein Knopfdruck, und die Bestellung geht mit einer SMS raus." SAP-Chef Bill McDermott ist so stolz auf das Projekt, dass er die Kleinunternehmerin zu einem Vortrag auf die Cebit nach Hannover holte.

Wie Christina Marole würden auch in den Industrieländern gerne Geschäftsleute ihre Mobiltelefone nutzen. "Viele Menschen arbeiten immer weniger im Büro", sagt Rüdiger Spies vom IT-Beratungsunternehmen IDC. Die Hersteller von Unternehmenssoftware müssten sich darauf einstellen und deshalb den mobilen Zugriff auf Firmendaten verbessern.

Die Infrastruktur dafür wächst rasant: Im Jahr 2013 wird es mehr Smartphones und Handys mit Internetbrowser geben als PC, schätzt das IT-Beratungsunternehmen Gartner. Rund 1,8 Milliarden Geräte sollen dann in Gebrauch sein, etwa 600 Millionen Stück pro Jahr verkauft werden.

Bislang stehen viele Anbieter noch am Anfang. "SAP hat großen Nachholbedarf bei Mobilapplikationen", sagt Stefan Ried, Analyst beim Beratungsunternehmen Forrester Research. Zwar hat der Konzern gerade die 5,8 Milliarden Dollar teure Übernahme der Softwarefirma Sybase angekündigt, die auf die Anbindung mobiler Geräte spezialisiert ist. Aber eine neue Generation von Konkurrenten ist SAP schon weit voraus: Cloud-Computing-Anbieter, deren Software nicht auf den Firmenrechner installiert ist, sondern über das Internet aufgerufen wird.

Der Smartphone-Absatz ist in den letzten Jahren rasant angestiegen
Zoom Der Smartphone-Absatz ist in den letzten Jahren rasant angestiegen
© ftd.de

"Gegenüber Cloud-Anbietern hinkt nicht nur SAP hinterher, sondern auch andere Anbieter traditioneller Unternehmensanwendungen wie Oracle und Microsoft", sagt Ried. Dabei haben die Großen den Trend teilweise schon vor Jahren erkannt. Oracle zum Beispiel stellt verschiedene kleine Programme, Apps genannt, für das iPhone bereit, etwa zur Datenanalyse oder für den Außendienst. Microsoft überlässt es Partner, entsprechende Anwendungen zu erstellen, zum Beispiel zur Kundenverwaltung. Und SAP bietet bereits entsprechende Anwendungen an, etwa zur Datenanalyse.

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