"Das Problem ist die Finanzierung", sagte der Hamburger Reeder und Schiffsmakler Thomas Rehder. "Wir fürchten, dass wir in Zeiten, in denen wir schon wieder vernünftig arbeiten können, von den Banken gebremst werden", stellte er fest. Der Staat müsse mehr Bürgschaften bereit stellen, damit die Banken den Reedern wieder Kredite geben. Das fordert auch der Verband Deutscher Reeder.

Die Branche bringt sich damit in Stellung vor dem maritimen Gipfel, der heute in Berlin stattfindet. Der maritime Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto (FDP), trifft sich mit Reedern, Werftmanagern, Schiffsbankern und Politikern von Bund und norddeutschen Ländern, um Auswege aus der Krise zu besprechen. Ein ähnliches Treffen vor gut vier Monaten blieb ohne konkrete Ergebnisse. Allerdings hat sich die wirtschaftliche Situation so verändert, dass sich viele Probleme von selbst erledigt haben. "Jetzt gibt es erst recht keine Staatshilfe mehr", sagte ein Teilnehmer des ersten Krisengipfels, der auch heute auf der Gästeliste steht.
Die Zahl der Auflieger, also der Schiffe, die in Buchten rund um den Erdball stillgelegt auf ihren nächsten Auftrag warten, ist von mehr als 500 auf 192 gesunken. Bei vier von fünf deutschen Reedern ist laut einer Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) die Flotte wieder voll ausgelastet. Die Frachtraten - die Gebühren, die Reeder für den Transport eines Containers erhalten - sind laut PwC nur noch rund zehn Prozent niedriger als vor der Krise. 2009 lagen sie noch 60 Prozent unter diesem Wert. Allerdings bleibt die Zurückhaltung der Banken bei der Schiffsfinanzierung ein Problem für die Reeder - vor allem, weil sie viele Schiffe bestellt haben, die bald fertig werden. Statt wie im Vorjahr 38,4 Prozent verlangen die Banken nun 41,9 Prozent Eigenkapitalquote und höhere Zinsen. "Die Banken sehen die Risiken im Schifffahrtsgeschäft inzwischen kritischer", sagte der PwC-Branchenexperte Claus Brandt. "Gerade für Ablieferungen in den Jahren 2013 und 2014 würde eine Verlängerung der Bürgschaften aus dem KfW-Programm helfen." Die Staatshilfen, die die Bundesregierung in der Krise beschlossen hatte, laufen allerdings Ende des Jahres aus.
"Die Banken bauen nachhaltig die Schiffsfinanzierung ab", klagte Rehder. Insbesondere die HSH Nordbank und die Commerzbank sind gegenüber den Reedern nicht mehr so offen wie vor der Finanzkrise. Das hat auch der maritime Koordinator der Bundesregierung festgestellt. Es könne nicht sein, dass ausgerechnet die HSH als die bislang größte Schiffsbank der Welt und zudem als staatliches Institut zur Mittelstandsförderung sich jetzt teilweise aus der Unterstützung der Reedereien zurückzöge, kritisierte Otto. Neue Staatsbürgschaften lehnt er allerdings ab.
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