Den Ladendieb hatte die Gier gepackt. Insgesamt 75 Flaschen Bodylotion stopfte er sich in einem Einkaufszentrum im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts in die Hose. Die Wachleute hatten keine Schwierigkeiten, den Mann zu überwältigen. Er konnte mit seiner Beute kaum noch laufen.
So einfach machen es Ladendiebe dem Einzelhandel selten. Meist lassen sie still und heimlich kleine, aber teure Waren wie Rasierklingen, Spirituosen, Kosmetik und Tabakwaren mitgehen. "Jährlich bleiben rund 30 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt", sagt Ute Holtmann vom Handelsforschungsinstitut EHI Retail Institute.

Laut polizeilicher Kriminalstatistik ist die Zahl der Ladendiebstähle zwar seit Jahren rückläufig. Da aber häufig erst bei der Inventur auffällt, dass Waren fehlen, kommen viele Diebstähle nicht zur Anzeige. Nach Einschätzung des EHI Retail Institute sind die Inventurdifferenzen unverändert hoch. 2009 betrugen sie 3,9 Milliarden Euro - trotz stetig steigender Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen. Im vergangenen Jahr investierte der deutsche Einzelhandel rund 1,2 Milliarden Euro, um Langfinger auszubremsen. Die Verluste durch Diebstähle wären noch viel höher, wenn die Unternehmen nicht so viel Geld für Prävention ausgeben würden, glaubt Linda Heintz vom Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC). "Durch die Krise hat sich die Bereitschaft für Diebstähle erhöht", sagt sie.
Zahlen muss die Rechnung am Ende der Kunde. "Wenn die Inventurverluste durch Diebstähle zu hoch werden, müssen wir dies über höhere Preise an unsere Kunden weitergeben", sagt Erich Harsch, Chef der Drogeriekette DM. Zur Prävention setzt DM auf elektronische Artikelsicherungssysteme, die Alarm schlagen, wenn der Kunde mit unbezahlter Ware das Geschäft verlässt, sowie auf Videoüberwachung.
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